Donnerstag, 9. Juni 2011

Frauen im Strafraum



Das Foto bezeugt es: Deutschlands männliche Bundestrainer tun sich immer noch schwer mit der Tatsache, dass auch Frauen gegen einen Ball treten und dies vom 26.Juni an in diesem Land sogar bei einer Weltmeisterschaft tun. Ich meine, der leicht verkrampfte Umgang mit dem Thema äußert sich nicht nur im hilflosen Versuch des Altherrenclubs DFB (Meyer-Vorfelder! Beckenbauer!), die Frauen-WM zum "Kultereignis" (AAARGH!) hochzujazzen und mit dem "Sommermärchen" 2006 auf eine Stufe zu stellen, sondern auch in der rührend antiquierten und verschämt-höflichen, aber mit hohem Sexismusanteil behafteten Formulierung auf diesem Kneipenschild. 

"Damen-Fußball-WM", das klingt nach Bridgeclub und dezent transpirierenden Oberklassekleiderständern - und bringt damit die Vergeblichkeit des Hypes beim biertrinkenden, ketterauchenden Kneipenpublikum auf den Punkt. Meine eigene Haltung dazu ist simpel: Selbstverständlich sollen Frauen Fußball spielen. So wie sie Auto fahren, das Wahlrecht haben, Containerschiffe steuern, RTL-Chefin oder Kanzlerin werden. Darüber muss man nicht mehr reden - und deshalb braucht es auch keinen Hype.

Ich nehme dann ein Damenkölsch!

Mittwoch, 8. Juni 2011

Alltägliche Amnesie



Beim Abwasch informiert mich das Radio, die NATO habe ihre Luftangriffe auf Tripolis verstärkt. Beim Surfen im Netz entdecke ich auf einer Nachrichtenseite im hinteren (oder netzspezifisch besser: unteren) Bereich den Hinweis, die Kernschmelze im japanischen Fukushima sei stärker gewesen als bis jetzt vermutet und vom Betreiber Tepco zugegeben. Jede dieser beiden Meldungen ist geeignet, ganze Heerscharen von Feuilletonschreibern und politischen Kommentatoren über Monate zu beschäftigen, ganz zu schweigen von Atomkraftexperten, Spezialisten für den Maghreb und Historikern, die das Geschehen seriös aufbereiten könnten. Welche Konsequenzen haben die Luftangriffe für die Menschen in Libyen, die Herrn Gaddafi wahlweise als Staatschef behalten (aus welchen Gründen auch immer) oder ihn loswerden wollen? Was ist los im verstrahlten Umkreis von Fukushima? Ich warte auf Hintergrundinformationen und Einordnungen.

Doch nichts davon geschieht. Ich wasche weiter ab und surfe anschließend weiter zu Youtube. 

Das Tagesgeschehen in Deutschland ist bestimmt von einer Krankheit, der bis jetzt 24 Menschen zum Opfer gefallen sind. Das sind ohne Zweifel 24 zuviel, entspricht aber in etwa der wöchentlichen Verkehrstotenrate einer durchschnittlich großen westlichen Gesellschaft. Trotzdem werden weiter Autos verkauft und gefahren, während erst die spanische Gurkenindustrie Pleite geht und anschließend Erzeuger und Verkäufer von Sprossen mit Biowaffenherstellern auf eine Stufe gestellt werden. Das Virus verbreitet sich dennoch weiter. Und in Tripolis sterben ebenso Menschen durch Bomben wie in Japan durch atomare Strahlung.

Das Geschirr ist blitzsauber.

Montag, 6. Juni 2011

Sonntag, 5. Juni 2011

Vormerken



Kitty, Daisy und Lewis sind drei Geschwister aus einer äußerst musikalischen Familie aus Kentish Town im Norden Londons. Die Mutter war Schlagzeugerin bei den Raincoats, der Vater Gitarrist - und die Kinder wuchsen nicht mit Lebertran und Sportunterricht auf, sondern mit Rhythm'n'Blues und Old School Rock'n'Roll. 

So etwas bleibt natürlich nicht ohne Folgen: Die drei haben jetzt ihr zweites Album "Smokin' in Heaven" veröffentlicht, auf dem sie erneut mit leicht verschnupfter Stimme altbackene Klänge zum besten geben. Altbacken im Sinne von: Arschtretend, selbstverständlich! (Übrigens ist der Titelsong ein Instrumental, das mit den Worten "They are smokin' in Heaven!" eingeleitet wird - für mich als Neu-Nichtraucher ein echter Trost!)

Man wagt sich gar in neue Genregefilde, wie dieses hübsch gemachte Video mit dem Skastück der Platte zeigt:




Im Herbst sind sie übrigens auf Tour - also vormerken!

Donnerstag, 2. Juni 2011

Unterwegs

Es ist Feiertag und es zieht mich vergleichweise früh hinaus in die farbexplodierende Umgebung:


Es geht selbstredend an den Strand, der hier schwerpunktmäßig von adipösen Transferleistungsempfängern bevölkert wird:


Unterwegs: Seltsame Gestalten, leicht bekleidet in kalkweiß und seltsame Objekte:



Zuhause hat der Butler das Essen bereits aufgetragen. Jetzt müssen nur noch die Touristen verschwinden:

Mittwoch, 1. Juni 2011

Fahrrad Reloaded



Wie ich unlängst schrub habe ich das altgediente Stahlross einem Update unterzogen - und siehe da, ich bin wieder ganz verliebt in dieses Sportgerät, das jetzt sein Gnadenbrot als stilvoller Cityflitzer verdient. 



Gut, die Sägezähne am Kettenblatt zeugen von 18 Jahren hartem Einsatz auf Deutschlands Landstraßen (höhö...) und das Ritzel könnte auch mal erneuert werden, aber im Großen und Ganzen hat sich der Stahlrahmen sowie die idiosynkratische Mischung aus Shimano, Sachs und Campagnolo gut gehalten.

Im Laden, wo man dem Fahrrad einen neuen Lenker montiert hat und auch sonst einiges aufgefrischt hat, war das junge Personal jedenfalls ganz begeistert von diesem weit gereisten Vertreter einer Zeit, in der Carbon nur ein exotischer Werkstoff aus der Raumfahrt war.


P.S.: Übrigens habe ich mit dem Mutterland der herrlichen Rennradrahmen Kontakt aufgenommen (wegen DEM hier) - man verspricht kräftige Preisnachlässe und unkompliziertes Handling. Stay tuned!

Sonntag, 29. Mai 2011

Mattscheibe



Das Erdbeben und der Tsunami in Japan haben immer noch Auswirkungen globalen Ausmasses. Nicht nur die Autoindustrie ist davon betroffen, weil japanische Zulieferer ihre Produktion drosseln oder gar einstellen mussten, auch eine Branche, deren Abhängigkeit von japanischen Produkten nicht ganz so offensichtlich ist, leidet unter den Folgen der Naturkatastrophe: Das Fernsehen. 

Sender und Produzenten haben zur Zeit massive Probleme, Bandmaterial oder Speicherdiscs für ihre Kameras zu bekommen, da der Hauptlieferant - Sony - wegen des Tsunamis ein großes und für die Fertigung zentrales Werk schliessen mußte. Beim WDR klauben sie schon sämtliche Bänder aus den Redaktionen zusammen und der Handel gibt Speicherdiscs an Kameraleute nur noch in begrenzter Stückzahl heraus. Wenn das so weitergeht, droht der vom damaligen Bundeskanzler Schmidt* 1978 propagierte fernsehfreie Tag mit über drei Jahrzehnten Verspätung Wirklichkeit zu werden - mangels neuem Programm.

Das halten viele womöglich für eine gute Nachricht. 


*(Für die Jüngeren: Das ist der coole Qualm-Opa, der immer auf Westerwelle rumhackt)

Montag, 23. Mai 2011

Schlecht gestylter Pop

Der Bart geht gar nicht. Der Pullover erst recht nicht. Die Stimme klingt nach Heulsuse, aber der Song macht alles richtig. Das Video auch. Ansehen und gut finden:

Sonntag, 22. Mai 2011

Fischstäbchen-Blues

Gestern habe ich den Abend mit dieser Frau verbracht:


Gut, ich war nicht alleine mit ihr, aber es war trotzdem sehr nett. Imelda May war in der Stadt, eine adrette junge Dame aus Dublin, die das Publikum mit, nun ja, Neo-Rockabilly (was für ein blödes Etikett!) und einem Hauch Voodoo-Blues für sich einnahm. Ich hatte den Eindruck, die populistischen Rock'n'Roll-Nummern spielt sie nur, weil das Publikum das von ihr erwartet. Ihre stärksten Momente hatte Imelda, wenn sie wie in einem erzprotestantischen Südstaatengottesdienst in Stimmen redete, den Herrn pries und das Böse mit ihrer Bluesstimme bannte. Hier ein kleiner, wenn auch steriler Eindruck aus einer TV-Show:


Frau May unternahm  ihre ersten musikalischen Schritte, indem sie ihre Stimme einer Werbung für Fischstäbchen zur Verfügung stellte. Zum Glück für sie und uns ist sie inzwischen deutlich anspruchsvoller unterwegs, hat ihren soliden irischen Working Class-Background jedoch nicht vergessen. 
Und so gehörte es zu den schönsten Momenten des Konzerts, dass sich am Ende nicht nur das Publikum über einen gelungenen Abend freute, sondern auch die Band. Imelda und ihre Jungs schienen ehrlich begeistert über die positiven Reaktionen. Das war echt, ehrlich und rührend. Schön.

Und außerdem werde ich bei Frauen mit Creolen-Ohrringen prinzipiell komplett willenlos.

Mittwoch, 18. Mai 2011

Weltuntergang vorgezogen?

Am Samstag, den 21. Mai um 18 Uhr wird die Welt untergehen. Oder wie die Amis gewohnt lässig sagen: "Big J. is coming". J wie Jesus. Wäre es in diesem Zusammenhang nicht ein wenig zynisch, müsste man sagen, die Katastrophe sei so sicher wie das Amen in der Kirche - denn das christliche Radionetzwerk familyRadio unter seinem Gründer Harold Camping hat das exakte Datum und die Zeit aus der Bibel, äh, ausgelesen und mahnt nun zur Vorsicht.

Aber Obacht, liebe Sünder: Es hilft nichts, noch schnell ein paar alten Damen über die Straße zu helfen oder den Opferstock zurückzugeben. Alles vergebens, denn es steht schon seit Anbeginn der Zeiten fest, wer gerettet werden wird und wer nicht - nennt es also Armageddon-Lotto. Schließlich ist auch Samstag. 

Wenn der große Weißhaarige da oben also zur Ziehung "Sechs aus sechs Milliarden" oder so ähnlich (genaue Zahlen sind nicht greifbar) ruft, heißt es, gut vorbereitet zu sein. Schuld an dem Schlamassel sind übrigens Schwule und Lesben: "Camping says God will punish America and the rest of the world for Gay Pride and same-sex marriages, just as Sodom and Gomorrah were punished with fire and brimstone in the Old Testament."

Lieber Herr Camping, ich muß gestehen, ich glaube Ihnen kein Wort. Zum einen haben sie schon einmal den Weltuntergang vorhergesehen - das war 1994. Es passierte - nichts. Sodom und Gomorrah erfreuen sich immer noch mindestens so guter Gesundheit wie Villarriba und Villabajo.

Und zum anderen weiß doch jedes Kind, dass der Weltuntergang wie jedes Jahr am 30. Mai stattfindet. 


 
Und außerdem habe ich was Besseres vor.

Montag, 16. Mai 2011

The Return Of Graf Zahl?


Hm, die Älteren unter uns werden sich erinnern: 1987 wurden in der guten alten Bundesrepublik zuletzt die Bürger aufgefordert auf dass sie sich einschreiben ließen, ein jeder in seiner Stadt. Diese Volkszählung mobilisierte die übriggebliebenen Ausläufer der Protestkultur von Anfang der 80er: Sie gaben ihr Bestes, den Orwell'schen Überwachungsstaat mit nur drei Jahren Verspätung als Realität darzustellen. Schon damals mit mäßigem Erfolg.

Dennoch: Die Argumente waren nicht einfach von der Hand zu weisen, denn schließlich gehört es zum Wesen jeder Herrschaft, so viele Informationen wie möglich über die Untertanen zu sammeln, um sie leichter beherrschen zu können. Mißbrauch inbegriffen. Wie sehr dieses Prinzip demokratisch begrenzt und kontrolliert werden muss, ist seitdem ein permanenter Streitpunkt in politikwissenschaftlichen Seminaren - und diverse Datenschutzskandale nicht nur staatlicher Stellen haben das Vertrauen in den ordnungsgemäßen Umgang mit persönlichen Daten schon lange erschüttert.

Nun also wieder Volkszählung. Im Gegensatz zu 1987 läuft das Thema im Moment ein wenig unter "ferner liefen" - nur in einigen westdeutschen Metropolen regt sich zartes Gemurre:


Ich finde, die Plakate haben etwas Anachronistisches - schließlich leben ganze Schüler- und Studentengenerationen bereits bei Facebook, ermitteln ihren sozialen Status über die Anzahl der Netzfreunde und geben freimütig pubertäre Partyfotos oder die genauen Maße der Geschlechtsorgane preis. Businessmenschen tragen bei Xing oder LinkedIn ein, wann sie wo beschäftigt waren und lobhudeln sich selbst ob ihrer soft skills. Und die User des Diddlmaus-Forums geben der werbetreibenden Wirtschaft wertvolle Hinweise über ihre soziale und altersmäßige Struktur und lassen sich in der Fußgängerzone ihre persönlichen Daten für ein paar Gewinnspiel-Glasperlen abschwatzen.
Es dürfte schwierig sein, diese Klientel für einen Boykott der geradezu analogen Form des Datensammelns zu gewinnen.

Auf der anderen Seite scheinen mir auch die Argumente pro Volkszählung so rührend naiv, dass nicht nur Verschwörungstheoretiker dahinter ganz andere, finstere Absichten vermuten könnten. Ich soll demnach wirklich glauben, die Zählung diene dem Ermitteln von nötigen Kindergartenplätzen und Prognosen über das künftige Verkehrsaufkommen? Hmm, im 21. Jahrhundert sollte es dafür auch andere Mittel geben als mich in der Wohnküche mit einem Fragebogen zu löchern...
Und mit den Prognosen ist das so eine Sache: Schließlich ging man in den 50er Jahren auch davon aus, dass wir im Jahre 2000 alle einen Individualhubschrauber mit Protonenantrieb bewegen würden und das Essen in Pillenform gereicht würde.

Was bleibt, ist Mißtrauen - in die Kraft der Proteste und in die Notwendigkeit der Volkszählung.

Dienstag, 10. Mai 2011

Material-Ermüdung

Wie in diesem Post bereits angedeutet, gibt es da draußen eine Menge Schönes aus Metall, mit dem man sich fortbewegen kann. (Ich rede natürlich vom Fahrradfahren.)
Nun ist es nicht so, dass ich kein vernünftiges Zweirad besäße, aber dieses hat schon annähernd zwei Jahrzehnte Einsatz hinter sich und da darf man schon mal über adäquaten Ersatz nachdenken. Besonders, wenn man so etwas entdeckt:

Das war mal ein Vorbau und hielt einen Lenker. Ich bin dem Tode nur knapp entronnen.


Versteht mich nicht falsch, der Columbusrahmen und die Ausstattungsmischung aus Campagnolo und Shimano Jahrgang circa 1990 haben mir stets sehr gute und verlässliche Dienste geleistet. Ich brauche kein Carbon, kein Alu und keine elektrisch gesteuerten Schaltvorgänge. Technische Innovationen haben an einem Fahrrad meiner Meinung nach nichts zu suchen - da bin ich durchaus einer Meinung mit dem Weltverband UCI, der vollkommen willkürlich das Minimalgewicht von Profirädern bei 6,8 Kilogramm eingefroren hat und auch die Rahmengeometrie trotz gegenteiliger ergonomischer Untersuchungen festschreibt. Die Gralshüter und Zweirad-Maschinenstürmer haben Recht. Sonst könnte ich mir auch ein Liegerad kaufen, das Äquivalent zum Brennstoffzellenauto. Vernünftig, aber leider komplett ohne Tradition und nur für American Apparel tragende Silicon-Valley-Geeks interessant.

Alles neu also und dann doch wieder nicht?

Nein, das alte Fahrrrad wird nicht entsorgt, es wird nur umgebaut zum immer noch ästhetisch anzusehenden Cityflitzer. Neuer Vorbau, neue Bremsen, neuer gerader Lenker - und schwupps! bestehe ich jeden Check der Stylepolizei.

Jetzt fehlt nur ein adäquates SPORTgerät. Auch hier selbstredend im traditionellen Stil: Chrom statt Carbon. Wartet's ab!

Montag, 9. Mai 2011

Befreit

Während wir gestern den Muttertag feierten, jährte sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 66. Mal. Aus diesem Anlaß eine kleine akustische Erinnerung daran, wie schmissig die Amerikaner Ihre Propaganda zu verpacken wußten - oder, wie die Andrew Sister in diesem Stück so schön singen: "...to change that 'Heil!' to 'Give me some skin!"' Schon deshalb dürfen wir dankbar sein, besetzt worden zu sein. Und natürlich aus 1 Million anderen Gründen:



Die Russen feiern den Sieg über Deutschland übrigens erst heute, dieser Post kommt also nicht wirklich einen Tag zu spät.

Plutonium Pants

Die Atomhose ist da! 



Wieder mal bretthart beim Auspacken, aber dafür wunderschön:


Ein alter Webstuhl, wie er bei den Flat Head-Eignern steht, schafft pro Tag nur ca. 50 Meter Jeansstoffproduktion. Für eine Jeans braucht man gut drei Meter Stoff - die Tagesproduktion ist deshalb gering und entspricht eher einer Manufaktur als einer Fabrik.



Samstag, 7. Mai 2011

Bayern

Frühling in Bayern - irgendwie bunter als woanders. 


Und wenn man genau hinsieht, entdeckt man in der blühenden Landschaft auch technische Schönheiten, die noch lange nicht verblüht sind.







Mittwoch, 4. Mai 2011

Gute Schuhe

Vernünftiges Schuhwerk kann man ja nie genug haben:



Monatelang bin ich drumherum geschlichen, solange, bis sie ausverkauft waren. Dann entdeckte ich sie in einer finsteren Ecke der Stadt. In meiner Größe. Und man akzeptiere Kreditkarten, versicherte die proppere Verkäuferin. Ein Zeichen des Himmels, das mich alle finanziellen Bedenken in den Wind schlagen ließ. 
Nennt mich Imelda Marcos.

Dienstag, 3. Mai 2011

Post Punk

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Ein paar Vertreter des Post Punk, die in meinen Augen auch nach gut 30 (!) Jahren noch frisch klingen. Der Grund dürfte in den relativ kühlen, abstrakten Arrangements und dem nüchternen, splitternden Sound liegen. Diese Spielart des Punk halte ich für ungleich kreativer als das berechtigte, aber doch recht simple No Future-Spielchen der ersten Punkgeneration, das dann von hunderten Generationen von Fußgängerzonenpunks auf ewig mißverstanden in bierseliges Schnorrertum umgemünzt wurde und im berüchtigten Fun Punk endete.

Also denn - how Punk (maybe) really happened:

1. Damaged Goods - Gang Of Four:
Leeds, Nordengland, Marxismus, Dekonstruktion. POP.



2. Verschwende Deine Jugend - D.A.F.:
Wovor die Eltern immer gewarnt haben. Zwei Jungs im Leder-Schwuchtel-Look geben die Dolce-Vita-Diktatoren.


3. Nice - Kleenex:
Auch die Schweiz kann modern. Reduzierte Show, reduzierte Instrumentierung, komplexe Aussage. Gabs auch als Coverversion von Stephan Eicher.


4. Anticipation - Delta 5:
Nochmal Leeds. Nochmal Frauen. Nochmal Art-School-Sozialismus. Tadellose Haltung, zeitloser Sound.



Wen's interessiert: Hier gibt es mehr Infos.

Montag, 2. Mai 2011

History repeating

Breaking News: Ausländisches staatliches Killerkommando operiert auf dem Boden eines souveränen Staates auf eigene Rechnung und ermordet unliebsamen Zeitgenossen.

So geschehen ausgerechnet am 11. September. Allerdings 1978.

Sonntag, 1. Mai 2011

Beastie Boys Revisited

Dass weißer HipHop funktioniert und sogar Spaß machen kann, bewiesen vor gut 25 Jahren  die Beastie Boys mit "Fight For Your Right To Party". Das Video war stilbildend für so manchen Partyabend und auch mit ihren späteren Werken bewiesen die BB Sinn für Klasse und Stil - man denke nur an "Sabotage" mit seinem 70er-Jahre-Cop-Schnurrbart-Action-Plot.

Inzwischen sind die drei New Yorker Jungs Mitte 40 und wie das in diesem Alter so ist, sind die wirklich wilden Zeiten vorbei. Die Haare werden langsam dünner, die Teenage-Wut ist längst verraucht und man kämpft für eine gute Rentenversicherung, nicht für gute Partys.  Die neue Platte (meinetwegen auch: Download) der Tick, Trick und Track des HipHop soll daher ziemlich langweilig sein. ABER: Sie haben dazu auch noch einen halbstündigen Film gedreht. Und der ist so, wie "Fight For Your Right" anno 86 auch war - überdreht, lautstark, lustig. Alles Dinge, die man im HipHop nur noch selten findet - da geht es ja nur um die härteste Hood, die schamlosesten Chicks und die lächerlichsten Luxuskarren. Gähn. Die alten Beasties sind da immer noch um Längen besser, denn im Gegensatz zu den schwarzen Protzbrüdern und Berliner Ghettoposern verfügen sie über eine seltene Eigenschaft: Selbstironie.

Hier der Teaser zum Film, in dem die drei Helden noch nicht mal auftauchen (!):

Samstag, 30. April 2011

Nachtrag

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:
"Im Vorfeld der Trauung verhaftete die Londoner Polizei unter anderem drei Verdächtige, die eine Guillotine bei sich trugen, allerdings ohne Klinge. Medienberichten zufolge wollten die Aktivisten eine Prinz-Andrew-Puppe enthaupten."

Dazu stelle ich fest: Ich habe mich im Vorfeld der Trauung nicht in London aufgehalten.

Donnerstag, 28. April 2011

Spielverderber

Um mich herum sind alle im Wedding-Wahn ob der Vermählung des englischen Thronfolger-Nachfolgers William mit der "bürgerlichen" Kate Middleton.  Ich verstehe den Hype um "Europas begehrtesten Junggesellen" nicht. Herrje, soll der Mann doch froh sein, dass er eine abbekommen hat, schließlich sind die Royals in den letzten Jahren nicht immer bestens beleumundet gewesen. Willis Papa heiratete erst eine Kindergärtnerin, ließ diese dann an Prunk und Paparazzi zugrunde gehen und widmete sich fortan der älteren Kurtisane mit der zweifelhaften Optik. Nichts Ungewöhnliches in diesen Kreisen, aber eben auch weit weg vom harmonischen Märchenlandgetue der internationalen Klatschpresse. (Vom bundesrepublikanischen Fälscheradel sind wir dagegen nur vergleichsweise harmlose Karriereaufhübschungen gewohnt. Vielleicht ist deshalb das deutsche Haus Sachsen-Coburg-Gotha, dem ja die aktuellen Windsorsprösslinge entstammen, auf den Hochzeitsfeierlichkeiten nur marginal vertreten, wie mir gut informierte Kreise zuraunen.)

Aus ganz alter, unzeitgemäßer Monarchiefeindlichkeit und zur Feier der Volkssouveränität möchte ich daher heute dem Paar folgende Warnung in angemessen jingoistisch-patriotischer Verpackung zurufen:

Piraten!




"Wir waren gut bewaffnet: Flammenwerfer, Granaten, Schrotflinten..." Behauptet immer noch jemand, Radio machen sei ungefährlich? In dieser schönen britischen Mini-Doku über das Phänomen der Piratenradios, wie es in den 50er und 60er Jahren entstand, sprechen de Betreiber von damals und von heute über den Kampf gegen Gesetze und die Exekutive.

Erstaunlicherweise (für mich) gibt es heute noch illegale Radiostationen - überwiegend in London - , die mittels abenteuerlicher Antennenkonstruktionen auf den Dächern von brutalkonstruktivistischen Wohntürmen ihre unmittelbare Nachbarschaft mit echt heißen Scheiben, pardon, Samples versorgen. Lustigerweise trotz Internet - die Piraten des 21. Jahrhunderts begreifen sich immer noch als Teil einer lokalen Community, die nur teilweise durch das Netz erreicht werden kann. Deshalb die gute alte Verbreitung via Analogantenne neben dem selbstverständlichen Streaming.

In Deutschland hat Piratenradio keine große Tradition. Rigide rechtliche Bestimmungen und das sogenannte Rundfunkmonopol, das jahrzehntelang in den Händen der Bundespost lag, verhinderten hier weitgehend die Entstehung unabhängiger Rundfunker. Doch es gibt Ausnahmen: Radio Dreyeckland entstand im Umfeld der Anti-AKW-Bewegung und sendet heute noch - inzwischen legal.

Erst als auch im Rundfunk private Anbieter zugelassen wurden, war es vorbei mit dem Monopol: 1986 nahm Radio Schleswig-Holstein (R.SH) den Sendebetrieb auf.  Die Hoffnung auf ein besseres Radio erfüllte sich selbstverständlich nicht. Die privaten Dudelfunkstationen mit ihrem Spaßterror und dauergutgelaunten Akustik-Animateuren sind inzwischen mit ihrem "Das Beste aus den 80ern und die Hits von heute!" schlimmer als die ödesten öffentlich-rechtlichen Stationen.

"Wir hielten es für ein Menschenrecht, eigene Radiostationen zu haben, die nicht von der Regierung betrieben wurden."  Im Zeitalter des Internets sind wir diesem Ziel zum Glück ein bißchen näher gekommen. Stay tuned!

Mittwoch, 27. April 2011

Nur zwei Räder

Es müssen ja nicht immer Autos sein. 
Dem Blog von Don Alphonso verdanke ich den Hinweis auf alte italienische Handwerkskunst für Fahrzeuge mit zwei Rädern.

Copyright: Pelizzoli
 
Kein Carbon, kein Alu. Traditionell aus Stahl. Und mit Muffen. Der abgebildete Pelizzoli Corsa-Rahmen ist in meinen Augen wunderschön und allein die verchromten Ausfallenden sind betörend. Über den Preis schweigen wir besser, aber wer fragt schon nach schnöden Summen bei einem solchen augenfälligen und -gefälligem Kunstwerk? Man sollte sich das magische Dreieck aus der Via Enrico Fermi in Curno an die Wand hängen.

Es müssen also nicht immer Autos sein.

Dienstag, 26. April 2011

Architektur

Manchmal finde ich sie noch, in kleinen Seitenstraßen von großen Städten. Dort, wo der Gentrifizierungs-Express noch nicht Station gemacht hat und die Bürokuben aus Glas, Stahl und Beton noch nicht alles erdrücken in ihrer sinn- und zwecklosen Profitgier. Manchmal blinzeln sie dann noch aus einer Häusernische, die vernarbten Fassaden mit den liebevollen Details und den funktionslosen, aber hübsch anzusehenden Ornamenten:



Und manchmal blüht neues Leben in diesen alten Schmuckstücken. Aber nur solange wie in Leipzig, Dresden, Ostberlin: 1990 bis 1992, dann war alles wie immer. Kaputtrenoviert und kernsaniert.


Am Ende steht dann immer so etwas (Begrünung optional):

Sonntag, 24. April 2011

Erlkönige und Boliden (Kombi schleicht sich trotzdem ins Bild)


Soeben im Bergischen Land entdeckt: 
Der noch streng geheime Prototyp für den nächsten 
Star Wars-Film.



Links im Bild: V8-Power, aber keine Windschutzscheibe.
Der ungewaschene Kombi versucht, ebenso cool auszusehen (vergeblich).

Montag, 18. April 2011

Wer sich hier so alles rumtreibt

Als Blogbetreiber habe ich ein kleines bißchen Einblick in die unendlichen Weiten des Internets und der menschlichen Obsessionen, die sich dort austoben können - meine Blogstatistik verrät mir ja u.a. woher die Leser  und Leseretten stammen und wie sie hierher gefunden haben. 

Wenn ich so schaue, über welche Suchbegriff bei Google Menschen unter anderem auf meine Seite stoßen, so muß ich gelegentlich staunen. So wie heute: Jemand gab bei Google die Suchbegriffe "mcdonalds tüten aus dem fenster werfen" ein - und landete hier in meinem kleinen Feuchtbiotop.

Willkommen lieber Fast Food-Freund! Aber den Müll, den nehmen Sie bitte wieder mit, gelle?


Sonntag, 17. April 2011

Abbitte

Ich mag die Eifel nicht.

Eine öde, raue Landschaft mit seltsamen Bewohnern, die das härteste Kölsch der Welt sprechen (was natürlich SO nicht korrekt ist, denn je härter Kölsch gesprochen wird, desto weicher klingt es), zur Belustigung von Fachkreisen eine Erlebniswelt in der Pampa besitzen und ansonsten immer noch vom Kaffeeschmuggel leben. Anyway, die Eifel ist für mich Sinnbild bäuerlicher Rückständigkeit, genährt durch zahlreiche persönliche Erlebnisse und traumatische Kindheits-Wochenenden, an denen die ganze Kleinfamilie zum Picknicken in dieses unfreundlichste der deutschen Mittelgebirge verfrachtet wurde. Mein ceterum censeo steht fest: In der Eifel ist man der Zeit einfach hinterher.

Und genau DAS gefällt mir jetzt: Während im luftig-leichten Rheinland bereits nahezu italienische Sommerverhältnisse in puncto Vegetation herrschen und die Aufbruchseuphorie der ersten Frühlingstage allzu schnell von prahlerischer frühsommerlicher Routine überlagert wird, zeigt sich in der Eifel in den jetzigen Tagen die Natur noch zart verschlafen, gerade erst erwacht und deshalb mit äußerstem toskanaeskem Liebreiz.


Manchmal mag ich die Eifel doch.

Donnerstag, 14. April 2011

Frühjahrsputz


Was so ein neues Fahrwerk doch ausmachen kann! Der Kombi ist verwandelt, seit ich in dieser Werkstatt neue Federn und Dämpfer an der Vorderachse und neue Dämpfer an der HA habe anbringen lassen.

(Nebenbei bemerkt: Die Dämpfer waren echte Glücksfunde auf einem Teilemarkt im Elsass (!), wo hauptsächlich französische Fabrikate vertreten waren. Für knapp 40 Euro vier Dämpfer, NOS, perfekt passend für den Zuverlässigen.)

Jetzt also Autofrühling mit dem Fahrgefühl eines Neuwagens. Das Bild zeigt übrigens noch den Vorherzustand mit cool aussehender, aber polternder abgesenkter Vorderachse - vorbei. Jetzt wird entspannt gecruist!

Dienstag, 12. April 2011

Mit der Zeit gehen

Ein Schellackschätzchen, das treffend den Übergang von der Pferdekutsche zum automobilen Zeitalter repräsentiert:


Vorher hieß es ja bekanntlich "Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand". Nun warte ich auf die neueste Version im Zeitalter des Elektromobils: "Es hängt ein Bleiakku an der Wand". Ralph Siegel, übernehmen Sie!