Sonntag, 29. April 2012

The Dark Side Of The Sun

So schön es ist, bis 23 Uhr Rotwein auf dem Balkon trinken zu können...
So schön es ist, im Biergarten direkt in die Sonne blinzeln zu können...
So schön es ist, auf der Straße vor dem Haus im T-Shirt am Auto schrauben zu können...
So schön es ist, vom sanften Brummen der Rasenmäher in den Mittagsschlaf gesungen zu werden...
So schön es ist, dass das Thermometer über 20 Grad klettert...

So schlimm ist es, dem ästhetischen Grauen namens "Mäner kleiden sich sommerlich" jedes Jahr erneut zu begegnen.

Symbolfoto

Dienstag, 24. April 2012

Generation Praktikum

Es ist ernst gemeint:


Die verheerenden Folgen jugendlichen Privatfernsehkonsums sind hier anschaulich zu betrachten: Hölzerne Scripted-Reality-Dialoge, schlechter deutscher Sprechgesang und ein Cast nach den Kriterien einer Boyband. Immerhin: Coole Choreo in der TK-Abteilung!

Nun gut, es ist ein Azubi-Projekt und steht als solches natürlich unter einem gewissen Welpenschutz. Aber es gehört schon eine Menge Mut dazu, mit dem Video tatsächlich junge Menschen ansprechen zu wollen. Und genau das will die Einkaufsgenossenschaft Deutscher Kolonialwarenhändler (EDK) wohl. Wenn Euch also demnächst an der Fleischtheke ein rappender 16jähriger die Sonderangebote runterbetet: Übt Nachsicht, der Junge macht nur seinen Job!

Donnerstag, 19. April 2012

Verqostung.

Heute einmal ein ungewöhnlicher Produkthinweis mit nicht jugendfreiem Hintergrund. Die Trunksucht ist ein unschöner Fleck auf der ansonsten blütenreinen Weste göttlichen Waltens, darauf sei hier der Vollständigkeit halber deutlichst hingewiesen - aber da diese Zeilen hier sowieso nur von ansonsten vollkommen asketisch lebenden Volljährigen mit überproportional ausgeprägtem Verantwortungsgefühl gelesen werden, erlaube ich mir einen Verbrauchertipp aus der verruchten Welt der harten Alkoholika.


Aus einem konspirativen Büro in der niederrheinischen Tiefebene wird das oben abgebildete Getränk vertrieben, das sich nicht nur durch seine außergewöhnliche Gestaltung, sondern auch durch die hinter ihm stehende, nun ja, Mission von den heutzutage üblichen Alkopops- und Crossover-Getränken unterscheidet. Das, was (in ungewöhnlicher Schreibweise) draufsteht, ist auch drin: Korn. Nur Korn. Oder besser: Qorn. Genau, das Kultgetränk der Malocher, Ostwestfalen und Dackelbesitzer, der Messwein der Schrebergärtner, das Red Bull der Best Ager. Hier allerdings in ästhetisch ansprechender Form und mit der klar definierten Ansage: Laut trinken! Womit wir bei der Mission wären. Das Getränk soll heraus aus der Ecke der schenkelklopfenden Fips-Asmussen-Schlüpferstürmer und hineingebracht werden in die Herzen der coolen Säue, die sich bis jetzt noch mit Wodka-Mix-Verbrechen das jeweilige Gegenüber schöntrinken. Korn meets Credibility, wenn man so will. 

Dafür nimmt der Hersteller kräftig Anlauf: Der Sage nach wird jede einzelne Flasche Dose mit speedmetalligen Gitarrenkaskaden bedröhnt, bevor sie den Konsumenten ebenfalls speedmetallig bedröhnt. Aber Achtung: Nach Aussage des Erzeugers ist der 44prozentige Rachenputzer ausschließlich eiskalt geniessbar - und bei Zimmertemperatur nur zum Brillenputzen geeignet. Ich kann das übrigens bestätigen. Ich bin Brillenträger.

Nebenbei bemerkt: Teilzeit-Trinker mit ausgeprägtem Hang zur Diskretion können den Teufelstrank ohne Probleme in den heimischen Putzmittelschrank integrieren - wie dieses Foto beweist:

Mittwoch, 18. April 2012

Bekenntnis.


Gestern abend spielt das Radio auf einmal aus heiterem Himmel "Do kanns zaubere" von der rheinischen Kapelle um den Dylan-Epigonen Wolfgang Niedecken: BAP. Schock: Ich stelle mit Erschrecken fest, dass ich den Text nahezu vollständig beherrsche. Ich kann nichts dagegen unternehmen, Niedecken besingt eine unbekannte Angehimmelte und ich weiß immer schon eine Nanosekunde vorher, was er singen wird. Ich habe das abgespeichert, irgendwann. Vor 30 Jahren.

Schlimme Erkenntnis: All die Coolness-Seminare, all das rauchende Rumstehen in angesagten Underground-Bars, all die Hardcore-Konzerte in besetzten Häusern - umsonst! Gegen den linksliberalen Rock-Schlager, der sich in selten besuchte Winkel meines Gehirns verirrte, als ich circa 12 Jahre alt war, ist kein Kraut und keine chemische Droge gewachsen. Aber dazu muss ich wohl stehen. 

Erwähnte ich schon, dass ich irgendwann in meinem jungen Leben Madonna echt dufte fand?

Sonntag, 15. April 2012

Staatsbürgerkunde.


In Nordrhein-Westfalen wird am 13. Mai gewählt. Diverses politisches Personal führt sich nun wieder auf wie jeck, aus Berlin werden Hoffnungsträger und Watschenmänner importiert, um den antizipierten Wahlsieg der SPD möglichst elegant über die Bühne zu bringen und generell fällt mal wieder alles hintenüber - nicht zuletzt die deutsche Sprache. Die CDU wirbt mit Norbert Röttgen und einem Nachwuchs-Nachwuchswähler sowie den Worten "Politik aus den Augen eines Kindes." Unklar bleibt dabei, wer auf dem Foto das Kind sein soll.

Christian Lindner ist der Spitzenkandidat der FDP und es ist natürlich leicht, auf dieser Splitterpartei rumzuhacken. Das machen im Moment alle und es ist wohlfeil, den Karrieristen und Marktliberalismus-Stalinisten dieser Partei eins überzubraten, insbesondere ihren jüngeren Vertretern wie Lindner einer ist - die haben mit klassischem Liberalismus im Sinne von Bürgerrechten nun gar nichts mehr am Hut und propagieren stets zynisch den Markt als solchen. Aber nur bei Schlecker, nicht bei den Banken, selbstverständlich.

Ich habe mich nichtsdestotrotz staatsbürgerlich betätigt und mich einmal mit den Damen und Herren auseinandergesetzt, die momentan um meine Stimme buhlen. Bei Herrn Lindner fand ich ein interessantes biographisches Detail. Auf seiner Homepage schreibt er über sich:

"Nach dem Abitur habe ich als Hausmeister in einer Bildungsstätte Zivildienst geleistet. Ehrlich gesagt: Es war eine pragmatische Entscheidung, weil ich nur so mein Unternehmen weiterführen konnte. Gut, dass es durch die Aufhebung der Wehrpflicht solche Probleme nicht mehr gibt. Später habe ich dann auf die Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer förmlich verzichtet und mich um die Aufnahme in die Laufbahn der Reserveoffiziere beworben. Wehrübungen und Ausbildung schlossen sich an. Heute bin ich Hauptmann der Reserve und eingeplant im Landeskommando Nordrhein-Westfalen."

Diese kargen Sätze verraten so einiges über den Charakter (?) dieses erfolgreichen Jungpolitikers, der sein windelweiches Verständnis von politischen Grundsätzen mit dem Mäntelchen der "Ehrlichkeit" versieht und das Ende der Wehrpflicht quasi rückwirkend für sich in Anspruch nimmt. Mehr noch: Das Gewissen ist also eine pragmatische Instanz, die im Zweifel dazu dient, die eigenen Geschäftsinteressen zu fördern (nebenbei: das Unternehmen war ein gescheitertes Internet-Start-Up) - und wenn es dann mit der Karriere weitergehen soll, ruft man einfach "War nur Spaß!" und bewirbt sich flugs um die Laufbahn als Reserveoffizier. Ein Pazifismusverdacht ist eben schlecht fürs Fortkommen und es ist verdammt mühselig, sich immer um die Frage "Habense gedient, junger Mann?" herumdrücken zu müssen. So konnte er sich guten Gewissens mit einem schneidigen "Lassen sie mich durch, ich bin Reserveoffizier!" Eintritt in die besseren Kreise errempeln und ungestört an dem feilen, was ihm schon nach dem Abitur das Wichtigste war: Seiner Karriere.

Wie glaubwürdig ein Mann in Bezug auf politische Inhalte sein kann, der bei der sehr politischen Frage nach Zivil- oder Kriegsdienst die Positionen innerhalb von wenigen Monaten lässig tauscht, überlasse ich dem Urteil meiner verehrten Mitwähler. Ich fürchte nur, Christian Lindner wird gar nicht verstehen, warum ich damit ein Problem habe - für ihn ist das alles so normal, dass er es sogar auf seiner Website schreibt.

Deshalb steht oben auch das Fragezeichen hinter dem Wort "Charakter".

Freitag, 13. April 2012

Visionär.

Gemäß dem Diktum von Helmut Schmidt möge zum Arzt gehen, wer Visionen hat. Manche machen daraus allerdings ein Geschäft und bieten "Zukunftsgespräche" für Visionäre an.


Ich habe ja eine Vision, dass Scharlatanerie und Irrglauben in der Zukunft durch Gespräche verschwinden werden. Dafür nehme ich übrigens nicht mal Geld.

Montag, 9. April 2012

Car HiFi

Zu Ostern ein kleiner Strauß frühblühender Vinyl-Preziosen mit automobiler Thematik:

Hot Rod-Ikone im Sixties-Stil.

Lincoln Continental - definitv nicht geeignet für die Straßen Ihrer Majestät!

Americana-Experte an der Gitarre.

Psychedelischer Country-Casanova.

Super Bee - hab' ich mir tätowieren lassen. Wegen der Didjits.

einfach nur COOL.

Jan und Dean auf dem Rollbrett zur Hölle.

Weiße Weste? Bestimmt nicht!

Die mächtigen Gordinis sind übrigens nicht im Bild.

Australier gehen Big Daddy Roth.

Der Austin Atlantic floppte genauso wie - vermutlich - die Band.

Mittwoch, 4. April 2012

Dichotomie

Schön ist das Motorengeräusch eines Maserati Khamsin jenseits von 4000 Touren.



Weniger schön ist das Motorengeräusch eines Polizeihubschraubers, der in der Luft steht und einen 22jährigen Litauer jagt, der einen Airbag gestohlen hat. Nachts um 4.15 Uhr. Vor meinem Schlafzimmerfenster.