Samstag, 30. April 2011

Nachtrag

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:
"Im Vorfeld der Trauung verhaftete die Londoner Polizei unter anderem drei Verdächtige, die eine Guillotine bei sich trugen, allerdings ohne Klinge. Medienberichten zufolge wollten die Aktivisten eine Prinz-Andrew-Puppe enthaupten."

Dazu stelle ich fest: Ich habe mich im Vorfeld der Trauung nicht in London aufgehalten.

Donnerstag, 28. April 2011

Spielverderber

Um mich herum sind alle im Wedding-Wahn ob der Vermählung des englischen Thronfolger-Nachfolgers William mit der "bürgerlichen" Kate Middleton.  Ich verstehe den Hype um "Europas begehrtesten Junggesellen" nicht. Herrje, soll der Mann doch froh sein, dass er eine abbekommen hat, schließlich sind die Royals in den letzten Jahren nicht immer bestens beleumundet gewesen. Willis Papa heiratete erst eine Kindergärtnerin, ließ diese dann an Prunk und Paparazzi zugrunde gehen und widmete sich fortan der älteren Kurtisane mit der zweifelhaften Optik. Nichts Ungewöhnliches in diesen Kreisen, aber eben auch weit weg vom harmonischen Märchenlandgetue der internationalen Klatschpresse. (Vom bundesrepublikanischen Fälscheradel sind wir dagegen nur vergleichsweise harmlose Karriereaufhübschungen gewohnt. Vielleicht ist deshalb das deutsche Haus Sachsen-Coburg-Gotha, dem ja die aktuellen Windsorsprösslinge entstammen, auf den Hochzeitsfeierlichkeiten nur marginal vertreten, wie mir gut informierte Kreise zuraunen.)

Aus ganz alter, unzeitgemäßer Monarchiefeindlichkeit und zur Feier der Volkssouveränität möchte ich daher heute dem Paar folgende Warnung in angemessen jingoistisch-patriotischer Verpackung zurufen:

Piraten!




"Wir waren gut bewaffnet: Flammenwerfer, Granaten, Schrotflinten..." Behauptet immer noch jemand, Radio machen sei ungefährlich? In dieser schönen britischen Mini-Doku über das Phänomen der Piratenradios, wie es in den 50er und 60er Jahren entstand, sprechen de Betreiber von damals und von heute über den Kampf gegen Gesetze und die Exekutive.

Erstaunlicherweise (für mich) gibt es heute noch illegale Radiostationen - überwiegend in London - , die mittels abenteuerlicher Antennenkonstruktionen auf den Dächern von brutalkonstruktivistischen Wohntürmen ihre unmittelbare Nachbarschaft mit echt heißen Scheiben, pardon, Samples versorgen. Lustigerweise trotz Internet - die Piraten des 21. Jahrhunderts begreifen sich immer noch als Teil einer lokalen Community, die nur teilweise durch das Netz erreicht werden kann. Deshalb die gute alte Verbreitung via Analogantenne neben dem selbstverständlichen Streaming.

In Deutschland hat Piratenradio keine große Tradition. Rigide rechtliche Bestimmungen und das sogenannte Rundfunkmonopol, das jahrzehntelang in den Händen der Bundespost lag, verhinderten hier weitgehend die Entstehung unabhängiger Rundfunker. Doch es gibt Ausnahmen: Radio Dreyeckland entstand im Umfeld der Anti-AKW-Bewegung und sendet heute noch - inzwischen legal.

Erst als auch im Rundfunk private Anbieter zugelassen wurden, war es vorbei mit dem Monopol: 1986 nahm Radio Schleswig-Holstein (R.SH) den Sendebetrieb auf.  Die Hoffnung auf ein besseres Radio erfüllte sich selbstverständlich nicht. Die privaten Dudelfunkstationen mit ihrem Spaßterror und dauergutgelaunten Akustik-Animateuren sind inzwischen mit ihrem "Das Beste aus den 80ern und die Hits von heute!" schlimmer als die ödesten öffentlich-rechtlichen Stationen.

"Wir hielten es für ein Menschenrecht, eigene Radiostationen zu haben, die nicht von der Regierung betrieben wurden."  Im Zeitalter des Internets sind wir diesem Ziel zum Glück ein bißchen näher gekommen. Stay tuned!

Mittwoch, 27. April 2011

Nur zwei Räder

Es müssen ja nicht immer Autos sein. 
Dem Blog von Don Alphonso verdanke ich den Hinweis auf alte italienische Handwerkskunst für Fahrzeuge mit zwei Rädern.

Copyright: Pelizzoli
 
Kein Carbon, kein Alu. Traditionell aus Stahl. Und mit Muffen. Der abgebildete Pelizzoli Corsa-Rahmen ist in meinen Augen wunderschön und allein die verchromten Ausfallenden sind betörend. Über den Preis schweigen wir besser, aber wer fragt schon nach schnöden Summen bei einem solchen augenfälligen und -gefälligem Kunstwerk? Man sollte sich das magische Dreieck aus der Via Enrico Fermi in Curno an die Wand hängen.

Es müssen also nicht immer Autos sein.

Dienstag, 26. April 2011

Architektur

Manchmal finde ich sie noch, in kleinen Seitenstraßen von großen Städten. Dort, wo der Gentrifizierungs-Express noch nicht Station gemacht hat und die Bürokuben aus Glas, Stahl und Beton noch nicht alles erdrücken in ihrer sinn- und zwecklosen Profitgier. Manchmal blinzeln sie dann noch aus einer Häusernische, die vernarbten Fassaden mit den liebevollen Details und den funktionslosen, aber hübsch anzusehenden Ornamenten:



Und manchmal blüht neues Leben in diesen alten Schmuckstücken. Aber nur solange wie in Leipzig, Dresden, Ostberlin: 1990 bis 1992, dann war alles wie immer. Kaputtrenoviert und kernsaniert.


Am Ende steht dann immer so etwas (Begrünung optional):

Sonntag, 24. April 2011

Erlkönige und Boliden (Kombi schleicht sich trotzdem ins Bild)


Soeben im Bergischen Land entdeckt: 
Der noch streng geheime Prototyp für den nächsten 
Star Wars-Film.



Links im Bild: V8-Power, aber keine Windschutzscheibe.
Der ungewaschene Kombi versucht, ebenso cool auszusehen (vergeblich).

Montag, 18. April 2011

Wer sich hier so alles rumtreibt

Als Blogbetreiber habe ich ein kleines bißchen Einblick in die unendlichen Weiten des Internets und der menschlichen Obsessionen, die sich dort austoben können - meine Blogstatistik verrät mir ja u.a. woher die Leser  und Leseretten stammen und wie sie hierher gefunden haben. 

Wenn ich so schaue, über welche Suchbegriff bei Google Menschen unter anderem auf meine Seite stoßen, so muß ich gelegentlich staunen. So wie heute: Jemand gab bei Google die Suchbegriffe "mcdonalds tüten aus dem fenster werfen" ein - und landete hier in meinem kleinen Feuchtbiotop.

Willkommen lieber Fast Food-Freund! Aber den Müll, den nehmen Sie bitte wieder mit, gelle?


Sonntag, 17. April 2011

Abbitte

Ich mag die Eifel nicht.

Eine öde, raue Landschaft mit seltsamen Bewohnern, die das härteste Kölsch der Welt sprechen (was natürlich SO nicht korrekt ist, denn je härter Kölsch gesprochen wird, desto weicher klingt es), zur Belustigung von Fachkreisen eine Erlebniswelt in der Pampa besitzen und ansonsten immer noch vom Kaffeeschmuggel leben. Anyway, die Eifel ist für mich Sinnbild bäuerlicher Rückständigkeit, genährt durch zahlreiche persönliche Erlebnisse und traumatische Kindheits-Wochenenden, an denen die ganze Kleinfamilie zum Picknicken in dieses unfreundlichste der deutschen Mittelgebirge verfrachtet wurde. Mein ceterum censeo steht fest: In der Eifel ist man der Zeit einfach hinterher.

Und genau DAS gefällt mir jetzt: Während im luftig-leichten Rheinland bereits nahezu italienische Sommerverhältnisse in puncto Vegetation herrschen und die Aufbruchseuphorie der ersten Frühlingstage allzu schnell von prahlerischer frühsommerlicher Routine überlagert wird, zeigt sich in der Eifel in den jetzigen Tagen die Natur noch zart verschlafen, gerade erst erwacht und deshalb mit äußerstem toskanaeskem Liebreiz.


Manchmal mag ich die Eifel doch.

Donnerstag, 14. April 2011

Frühjahrsputz


Was so ein neues Fahrwerk doch ausmachen kann! Der Kombi ist verwandelt, seit ich in dieser Werkstatt neue Federn und Dämpfer an der Vorderachse und neue Dämpfer an der HA habe anbringen lassen.

(Nebenbei bemerkt: Die Dämpfer waren echte Glücksfunde auf einem Teilemarkt im Elsass (!), wo hauptsächlich französische Fabrikate vertreten waren. Für knapp 40 Euro vier Dämpfer, NOS, perfekt passend für den Zuverlässigen.)

Jetzt also Autofrühling mit dem Fahrgefühl eines Neuwagens. Das Bild zeigt übrigens noch den Vorherzustand mit cool aussehender, aber polternder abgesenkter Vorderachse - vorbei. Jetzt wird entspannt gecruist!

Dienstag, 12. April 2011

Wald der Wunder

Aus Gründen trieb ich mich am vergangenen Sonntag in einem Waldstück am Niederrhein rum, und zwar kurz bevor Borussia Mönchengladbach den angereisten Kölner Fußballern eine derbe Niederlage bereitete. Ich erwähne dies, weil auch in der Nähe des Waldes, in dem ich Ruhe und Erholung suchte, die Schmerzens- bzw. Enthusiasmus-Äußerungen der jeweiligen Anhänger deutlich zu hören waren. Soviel zur Ruhe und Erholung.

Dennoch fand ich in diesem Wald etwas Bemerkenswertes:


Das Gebäude stellt den Eingang zu einem Wasserspeicher (oder: "Wasserhochbehälter", wie die Tafel erklärt) dar. Heute wäre an dieser Stelle ein Betonklotz mit Entlüftungsschacht und einem Eisenzaun drumherum. Anfang des vergangenen Jahrhunderts baute man selbst mitten im Wald Jugendstil-Altäre. Schön.

Mit der Zeit gehen

Ein Schellackschätzchen, das treffend den Übergang von der Pferdekutsche zum automobilen Zeitalter repräsentiert:


Vorher hieß es ja bekanntlich "Es hängt ein Pferdehalfter an der Wand". Nun warte ich auf die neueste Version im Zeitalter des Elektromobils: "Es hängt ein Bleiakku an der Wand". Ralph Siegel, übernehmen Sie!

Dienstag, 5. April 2011

Kombi-Spezial

Der Kombinationskraftwagen war schon immer eine Schwäche von mir. Vielleicht liegt es daran, daß ich als Kind ausschließlich in Fahrzeugen mit großer Klappe herumgefahren wurde. Oh seliges Paradies der Kindheit, damals tobten wir noch ohne MaxiCosi und Sicherheitsgurte im Gepäckabteil am hinteren Ende des Fahrgestells herum und niemand störte sich daran...

Deshalb also eine Hommage an alle Kombis, die nicht vom Zahn  der Zeit dahingerafft wurden:









Sonntag, 3. April 2011

Kriegsgewinnler in der FGZ?


Heute war Büchermarkt in der kleinen Stadt. Die ansonsten konturlose Fußgängerzone, die auf den Ankündigungsplakaten in den letzten Tagen auf das Kürzel "FGZ" reduziert worden war (was mich ins Grübeln ob der Bedeutung der drei Buchstaben brachte), schmückte sich mit dem, was man hier so unter flanierendem Bürgertum versteht. Aber ich will nicht zynisch klingen; es waren viele Menschen mit angenehmer Erscheinung darunter, die sich von dem pubertierenden DSDS-Pack abhoben, das sonst die Innenstadt lautstark bevölkert.

Auffallend auf Händlerseite war das Bemühen, dem Zeitgeist entgegenzukommen. Mehrere Stände wiesen Literatur auf, die man vor zwei Monaten noch nicht dort hätte finden können: "Betrieb und Instandhaltung des Kernkraftwerks", "Atom - die Kraft der Zukunft" usf. 

Das muss Second-Hand-Buchhändler-Humor sein, ein ironischer Kommentar mit gleichzeitiger Hoffnung auf schnellen  Profit. Dasselbe Prinzip entdeckte ich übrigens auch auf der Techno Classica, der Fachmesse für den engagierten Klimaschützer. Hier waren es am Stand eines Aufkleberspezialisten die berühmten "Atomkraft? Nein danke!"-Sticker, die wohl unlängst den Weg ins Sortiment gefunden hatten. Mögen sie bald zahlreich auf den Heckscheiben von Upper-Class-Mobilen landen und nicht nur auf den obligatorischen 2CV!

Fortschritt

In letzter Zeit schleicht sich hier so ein bißchen ein Auto-Schwerpunkt in dieses Blog. Dieser Trend geht heute weiter: Passend zu diesem Eintrag ein weiteres Video, das beweist, wie automobiler Fortschritt aussehen kann - 1959er Chevrolet gegen 2009er Chevrolet.

Samstag, 2. April 2011

Jubiläum


Jubiläen strukturieren das mediale Jahr, geben Halt in unsicheren Zeiten und sorgen für das wohlige "Weiß Du noch?"-Gefühl, das uns den unübersichtlichen Alltag vergessen läßt. Dieses Jahr wird es zwanzig Jahre her sein, das die Sowjetunion aufhörte zu existieren, zehn Jahre, seit Flugzeuge in Türme flogen und 50 Jahre, das Walter Ulbricht behauptete, niemand habe die Absicht, eine Mauer zu errichten.

Aber die erwiesenermaßen unwahre Behauptung des "Spitzbarts" (zeitgenössische Sprachregelung) hat nicht alleine Anrecht auf eine Art Geburtstag. Vor 50 Jahren einigten sich mehrere europäische Eisenbahnen darauf, im Rahmen einer Union tauschbare Paletten einzuführen. Die Europoolpalette – kurz Europalette – wurde feierlich vertraglich im Rahmen der UIC (Union Internationale des chemins de fer) von den Unterzeichnerländern besiegelt.

Während Waren früher in Säcken oder Kisten transportiert werden mussten, bot die Europalette eine enorme Erleichterung beim Transport – so sehr, dass die Industrie sich schließlich nach ihr richtete. Maschinen, die nicht an die Europaletten-Norm angepasst sind, haben es heutzutage im Handel und Gewerbe schwer. 1200×800×144 Millimeter (Länge×Breite×Höhe) – diese passgenauen Maße sind so designt, dass die Europalette sich optimal auf Wechselbrücken oder Sattelzüge verladen lässt. Allerdings: In den USA hat sich das System der Europalette nicht durchgesetzt (sonst hieße sie ja auch Worldpalette), denn hier herrscht der Maßstab des Containers. Wer Waren über See transportieren muss, kommt daher mit der Europalettennorm nicht weiter. Doch die Industrie hat auch hier Abhilfe geschaffen: Eine Kunststoffpalette, angepasst an den Container, hilft beim Verladen der Güter in den Container.

Natürlich ist die Europalette inzwischen auch für andere Anwendungen jenseits des Transports von Gütern im Einsatz.