Montag, 17. Januar 2011

Ein Koffer mit Vergangenheit


Jeder kennt die berühmte Aufnahme von Robert Capa aus dem spanischen Bürgerkrieg: Ein Soldat im Moment seines Todes, die Arme nach hinten gerissen, das Gewehr noch in der rechten Hand. Ein Bild, das zur Folklore der Friedensbewegung wurde, gerne mit dem anklagenden "Why?" versehen und auf unzähligen Aufklebern, Postkarten und Transparenten verwendet. Selbst eine seit den 70er Jahren geführte Diskussion darüber, ob das am 5. September 1936 aufgenommene Bild gestellt sei, konnte der Wirkung nichts anhaben. Die Aufnahme war allerdings nur eine von vielen tausenden, die in diesem äußerst brutalen Krieg entstanden: Capa war zwischen 1936 und 1939 mehrmals im republikanischen Spanien mit der Kamera unterwegs und berichtete mit Kollegen von der Front und aus der Etappe.

In Mexico City ist nach über 70 Jahren  jetzt ein Koffer aufgetaucht, in dem sich gut 4500 Dia-Negative aus dem spanischen Bürgerkrieg befinden. Die Bilder sind das Vermächtnis von Robert Capa, seiner Lebensgefährtin Gerda Taro und David Seymour, einem polnischen Juden, der sich das Pseudonym Chim zulegte. Alle drei dokumentierten den Kampf der spanischen Republik gegen den Aufstand der Generäle unter Francisco Franco, alle drei ergriffen Partei für die Soldaten der Republik, mehr noch aber für die Opfer des Krieges auf beiden Seiten. Und sie zahlten einen entsprechenden Preis für ihr Engagement, nicht nur im Spanien der 30er Jahre. Gerda Taro starb 1937 in Spanien, Capa wurde 1954 in Indochina von einer Mine zerfetzt und Chim 1956 während der Suez-Krise in Ägypten erschossen.

Dass der Koffer mit den Negativen in Mexiko auftauchte, ist kein Zufall. Das Land war eines der wenigen internationalen Verbündeten der republikanischen Regierung Spaniens und seine diplomatischen Vertreter in Europa stellten auch nach dem Sieg Francos die Erinnerung an das "andere Spanien" sicher. So gelangten die Negative mit der Frau des mexikanischen Botschafters in Frankreich 1942 in das sichere Mexiko - und verschwanden für annähernd sieben Jahrzehnte.

Jetzt sind sie wieder zu sehen und die spannende Geschichte dahinter gibt es hier.

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