Mittwoch, 26. Dezember 2012

Jingle Bell.


Frohe Festtage, Herrschaften!  
Mir hat der Weihnachtsmann (das Christkind, der Coca-Cola-Truck...) eine formschöne Messingklingel für das antike Velociped gebracht. Und die Erkenntnis, dass man Weihnachtslieder nur sehr schwer gurgeln kann.

Donnerstag, 15. November 2012

Chinesische Schönheit.


 

Ich bin ein simpel gestrickter Zeit-Genosse, genetisch bedingt. Männer neigen ja zu seltsamen Spielzeugen, deren Größe oder Kompliziertheit mit dem Alter zwar zunimmt, die aber stets Ausdruck einer kindlichen Freude am Mechanischen sind. Ohne diese Tatsache gäbe es keine Supersportwagen, keine Kinderwagen mit Scheibenbremsen und keine Baumärkte. Und keine mechanischen Uhren.


Eine solche habe ich mir gegönnt. Es geht etwas sehr Befriedigendes von altmodischen Uhren aus, die im Gegensatz zu ihren Quarzbrüdern noch die Aura des handwerklichen Könnens ausstrahlen und im Akt des Aufziehens den Besitzer jeden Tag aufs Neue mit seiner Uhr verbinden. Ich habe nichts gegen Quarzuhren, einige meiner besten Freunde sind Quarzuhren!, aber das Pflegeverhältnis reduziert sich bei diesen nun mal auf den Batterietausch alle fünf Jahre. How boring.


Eine Seagull 1963, der erste Chronograph "Made in China", damals exklusiv für die Chinesische Luftwaffe gebaut. Mein Exemplar ist natürlich nicht von 1963, sondern eine aktuelle Neuauflage. Ein Schaltradkaliber treibt diese Pilotenuhr an – ein Nachbau des Schweizer Venus 175-Werk. Die beiden Drücker für die Stoppfunktion sind – ebenso wie die Zeiger – gebläut und lassen sich butterweich bewegen. Das Blau in Verbindung mit dem roten Stoppzeiger und den goldenen Zifferblattmarken ergibt eine relativ bunte Uhr, aber der Look gefällt mir sehr gut und hat so gar nichts kirmeshaftes. Jede überladene Breitling kommt peinlicher daher. Bessere Kenner der Materie als ich versichern mir zudem, die Seagull sei eine sehr robuste und ehrliche Uhr mit einem zuverlässigen Uhrwerk. Na dann. Und teuer war sie auch nicht.

Sehr schön auch die Rückseite:


Ich hätte sie auch mit einem Glasboden kaufen können, aber ich finde Glasböden immer etwas prätentiös und außerdem ist der Stahlboden näher am Original.

 

Sonntag, 11. November 2012

Die Erfinder des Techno.

Wer in den Achtziger Jahren des 20.Jahrhunderts schon alt genug war, um die "Hanni und Nanni"-Hörspiele hinter sich gelassen zu haben, der erinnert sich an Fraktus. Eine Band, die ihrer Zeit weit voraus war - ihre Songs dienen noch heute vielen Technoproduzenten als Inspiration. Die Elektrokombo aus Brunsbüttel hatte 1983 einen denkwürdigen Auftritt in der damaligen Dienstagabend-Pflichtsendung "Formel Eins" und galt neben Kraftwerk als größte Hoffnung der deutschen Popmusik:


Die Band brillierte mit minimalistischen Arrangements, den damals üblichen zeitgenössischen "No Future"-Lyrics und innovativen Instrumenten wie dem elektrischen Dudelsack, dem Rhythmusroboter "Beater" oder der legendären Lichtmangel. Im oben zu sehenden Stück erkennt man auch bereits das Drum-Motiv, das wenige Monate später von einer gänzlich unbekannten Band namens New Order in der Maxisingle "Blue Monday" verarbeitet und zu einem Riesenhit umgemodelt wurde. 

Dieses kleine Detail ist besonders interessant, spiegelt sich darin doch die ganze Tragik von Fraktus: Den großen Erfolg hatten immer andere. Jetzt läuft im Kino die Dokumentation "Fraktus", die die Geschichte der Band erzählt und die Hauptakteure zu Wort kommen lässt - späte Genugtuung für die drei Pop-Pioniere aus dem Norden. 

Angucken und die Popgeschichte neu bewerten!

Freitag, 19. Oktober 2012

Abwärts.

Quelle: DWDL

Gute Nachrichten zum Wochenende: Das Böse verliert manchmal eben doch. Und sei es an Auflage.

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Abschied von gestern.

1982: Als die Zukunft noch silber war.
Ich möchte mein Leben aufräumen. Mich von Ballast befreien und Überflüssiges loswerden. Liegt wohl am Alter. Aber keine Angst, ich werde nun nicht in Schwitzhütten nach dem Sinn vonnet Janze suchen und ich werde auch nicht Buddhist, Scientologe oder Christ. Und bei den Mormonen und Moslems gefällt mir nicht, dass sie was gegen Alkohol haben.

Nein, man soll ja mit den kleinen Dingen anfangen. Den Müll runterbringen, die Sanifair-Gutscheine von den Autobahnraststätten endlich einlösen - oder seine CD-Sammlung digitalisieren. Schließlich nehmen die silbernen Tonträger ziemlich viel Platz weg in meiner bescheidenen Hütte und intensive statistische Analysen haben ergeben, dass ich seit dem Erwerb eines iPods nur ungefähr dreieinhalb Minuten jährlich eine CD in den letzten im Haushalt verbliebenen Player einlege. Download rules okay, inzwischen auch bei mir. Deshalb habe ich beschlossen, die ganzen Bits und Bytes via iTunes auf einer externen Festplatte zu speichern und den physisch neu gewonnen Platz anderweitig zu nutzen. Dort könnten dann zum Beispiel meine Platten stehen, die ich selbstredend NIE verkaufen werde. (Ein Veräußern der Vinylschätze wäre in etwa so, als würde man mir die Erinnerung an die Pubertät nehmen ...vielleicht doch keine schlechte Idee?).

Anyway, die Silberlinge sind zum Abschuss freigegeben. Aber wenn ich ehrlich bin, beschleicht mich beim Digitalisieren doch ein seltsam nagendes, unwohles Gefühl. Im Herzen bin ich ja ein mechanischer Mensch und sämtliche digitalen Medien (insbesondere wenn sie von einem Herrn Jobs verantwortet werden/wurden) geniessen mein allertiefstes Misstrauen. Denn: Stromausfälle, Feuersbrünste, Datenverlust, der Iwan kommt - kann alles passieren. Sollte die Hütte hier abfackeln, könnte ich die CDs zur Not hustend mit mir drei Treppen hinunter schleppen (was praktisch andererseits undurchführbar wäre, weil meine Arme schon mit den wichtigsten LPs voll ausgelastet wären), an eine Festplatte würde ich im Notfall nie im Leben denken.

Trotz all dieser Zweifel habe ich nun angefangen, die gesamte, bei mir auf kompakter Scheibe vorhandene Musikgeschichte seit der letzten Eiszeit in das Reich des Apfels zu überführen. Das Schöne dabei: Man entdeckt viele gute Werke und Songs wieder. Den Doppel-CD-Sampler "Down To The Promised Land - Five Years Of Bloodshot Records" habe ich schon seit 2003 nicht mehr gehört, ebenso Burning Spear, Red Star Belgrade oder die Raubkopie einer Culture-CD, die ich einst auf Barbados beim Schwarzbrenner (no pun intended!) meines Vertrauens erwarb. Der frühe Elvis taucht wieder auf, Northern Soul erlebt ein ganz persönliches Revival und alte Fugazi-Kracher begeistern mich ebenso aufs Neue wie das Gesamtwerk der Aeronauten. Kurz: Allerhand Obskures erhebt die musikalische Stimme - und ich wanke schon wieder, ob ich derartige Schätze wirklich meistbietend an MOMOX und Co verscherbeln soll. 

Falls ich es tue, kaufe ich mir vom Erlös ein paar heiße Scheiben.



Montag, 15. Oktober 2012

Altersmilde?


Wenn ich mir die - zugegebenerweise: recht überschaubaren - Posts der letzten Zeit in diesem Blog so ansehe, dann fällt mir auf, dass ich mich schon lange nicht mehr aufgeregt habe. Dabei rauche ich gar keine HB.

Mein neuerdings friedliebendes Blog-Gemüt ist unter klicktechnischen Aspekten übrigens durchaus kontraproduktiv. Die Statistik beweist nämlich, dass ich meine größten Erfolge mit Beiträgen eingefahren habe, in denen ich mich wut- und wortgewaltig bemühte, dem tagtäglichen Irrsinn eine schriftliche Ausdrucksform zu geben: Korrupte Bundespräsidenten, unfähige Servicekräfte, lautstarke Nachbarn, miefige Kleinstädte - all das scheint bei den Lesern und Leseretten als Thema durchaus anzukommen.

Ich schneide mir also ins eigene Erfolgsfleisch (wenn man denn Erfolg so definieren möchte), seit ich auf der Blumenwiese des Lebens nicht nur die Stinkmorcheln, sondern auch die hübschen Gewächse entdeckte.


Dabei gäbe es genug der Erstgenannten, die meinen heiligen Zorn verdient hätten. Ich könnte beispielsweise den Alternativ-Sarrazin geben und mich über die populistischen Themen a la mode ereifern: Warum ein Innenminister via Springerpresse das wenig beneidenswerte Schicksal mazedonischer und serbischer Sinti und Roma als nur wenig verschleiertes Anti-Ausländer-Thema ausruft und mal wieder "Das Boot ist voll!" raunt. Warum ein Umweltminister mir weismachen möchte, der Strompreis müsse eben weiter steigen, aber bitteschön nur für mich und nicht etwa für die Aluminiumindustrie. Auf die Idee, den Atomverbrechern ein bißchen ihrer Milliardengewinne abzunehmen, kommt dieser Mensch nicht, der übrigens aussieht wie eine Kreuzung aus Helmut Kohl und dem späten Dieter Krebs als Sketch-Charakter. 

Ich könnte mich trefflich ereifern über Markus Lanz im Trikot von Fortuna Düsseldorf (Argh!), Lance Armstrong als Totengräber des Radsports oder über den Deppen, der meine Garage zuparkt und dann einfach verschwindet. Oder über Urteile zur Beschneidung von Kindern, die mich daran zweifeln lassen, ob zweihundert-und-ein-paar Jahre Aufklärung wirklich stattgefunden haben.

Tue ich aber nicht, und ich weiß jetzt auch, wieso: Die Idioten sind leider in der Überzahl.

Samstag, 13. Oktober 2012

è pericoloso sporgersi.

Nein, gefährlich war es nicht. Trotz Tapiren, Geckos, zweier Affen, Bussarden, Hähnen und Hühnern. 2700 Kilometer durch vier Länder, Destination Lungomare.


Deutschland als graues Autobahnband, Frankreich als kulinarischer Zwischenstopp, die Schweiz wie gewohnt im Eisenbahnmaßstab 1:87 und einem nebeligen Gotthard-Pass (SELBSTVERSTÄNDLICH sind wir oben rüber und nicht durch den Tunnel!), Italien im Herbst mit 27 Grad und Regenschirme verkaufenden illegalen Strandhändlern. Wir in Badekleidung, den angebotenen Daunenjacken (!) verständnislos entgegenblickend vor dem nächsten kühlenden Gang ins Meer.

Die Kosten dieses partiell surrealen Vergnügens? Ein neuer Keilriemen, 85 Euro beim netten rallyefahrenden Werkstatt-Trupp am Flußufer, inklusive Vorzugsbehandlung und V.I.P.-Kaffee: Buon Giornata!  Ansonsten - Eindrücke, Kultur, Mückenstiche, sympathische Menschen und finstre genuesische Gassen. Nein, Schuhe habe ich nicht gekauft, trotz eines verwirrend vielfältigen Angebots:


Aber hochwertige Rasierprodukte und Schreibutensilien. Und natürlich Wein und Köstlichkeiten. Die gab es auch im ligurischen Teilzeit-Heim mitten im Olivenhain, dessen Zufahrt so steil war, dass der großstadtverwöhnte Mittelklasse-PKW sich nun offiziell Off-Roader nennen darf und stolz ein paar Schrammen an der Frontschürze als Andenken mit nach Hause bringt.

Leute, fahrt nach Italien, lernt, zu leben, bei Rot über die Ampel zu gehen und rechts zu überholen!