Montag, 15. Oktober 2012

Altersmilde?


Wenn ich mir die - zugegebenerweise: recht überschaubaren - Posts der letzten Zeit in diesem Blog so ansehe, dann fällt mir auf, dass ich mich schon lange nicht mehr aufgeregt habe. Dabei rauche ich gar keine HB.

Mein neuerdings friedliebendes Blog-Gemüt ist unter klicktechnischen Aspekten übrigens durchaus kontraproduktiv. Die Statistik beweist nämlich, dass ich meine größten Erfolge mit Beiträgen eingefahren habe, in denen ich mich wut- und wortgewaltig bemühte, dem tagtäglichen Irrsinn eine schriftliche Ausdrucksform zu geben: Korrupte Bundespräsidenten, unfähige Servicekräfte, lautstarke Nachbarn, miefige Kleinstädte - all das scheint bei den Lesern und Leseretten als Thema durchaus anzukommen.

Ich schneide mir also ins eigene Erfolgsfleisch (wenn man denn Erfolg so definieren möchte), seit ich auf der Blumenwiese des Lebens nicht nur die Stinkmorcheln, sondern auch die hübschen Gewächse entdeckte.


Dabei gäbe es genug der Erstgenannten, die meinen heiligen Zorn verdient hätten. Ich könnte beispielsweise den Alternativ-Sarrazin geben und mich über die populistischen Themen a la mode ereifern: Warum ein Innenminister via Springerpresse das wenig beneidenswerte Schicksal mazedonischer und serbischer Sinti und Roma als nur wenig verschleiertes Anti-Ausländer-Thema ausruft und mal wieder "Das Boot ist voll!" raunt. Warum ein Umweltminister mir weismachen möchte, der Strompreis müsse eben weiter steigen, aber bitteschön nur für mich und nicht etwa für die Aluminiumindustrie. Auf die Idee, den Atomverbrechern ein bißchen ihrer Milliardengewinne abzunehmen, kommt dieser Mensch nicht, der übrigens aussieht wie eine Kreuzung aus Helmut Kohl und dem späten Dieter Krebs als Sketch-Charakter. 

Ich könnte mich trefflich ereifern über Markus Lanz im Trikot von Fortuna Düsseldorf (Argh!), Lance Armstrong als Totengräber des Radsports oder über den Deppen, der meine Garage zuparkt und dann einfach verschwindet. Oder über Urteile zur Beschneidung von Kindern, die mich daran zweifeln lassen, ob zweihundert-und-ein-paar Jahre Aufklärung wirklich stattgefunden haben.

Tue ich aber nicht, und ich weiß jetzt auch, wieso: Die Idioten sind leider in der Überzahl.

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