Freitag, 4. März 2016

Zeit-Schriften.




Ich stehe ja auf bedruckten Zellstoff. 
Digitalisierung hin oder her - ich bin ein Freund der guten alten Zeitschrift. Deshalb stapeln sich bei mir auch die unterschiedlichsten Publikationen, vom maltesischen Magazin für Interior Design über britische Nerd-Hefte zum Thema "Classic Airliner" bis zur französischen Oldtimer-Zeitschrift. Den jeweiligen Inhalten - egal, ob fremdsprachig oder deutsch - nähere ich mich mit einer ritualisierten Herangehensweise. Ich umkreise jedes neue Exemplar zunächst geistig, blättere nur darin herum, lese in einer späteren Phase z.B. die Bildunterschriften und widme mich dann erst den Texten - wenn ich sie denn lesen kann. Denn manchmal "lese" ich auch japanische Zeitschriften. Das ist dann natürlich kein Lesen im klassischen Sinn, sondern eher eine Regression in die prä-literarische Phase der Kindheit, in der man sich ausschließlich an Bildern erfreute. In Zeiten, in denen erwachsene Menschen Ausmalbücher als Entspannungstherapie nutzen, muss ich mich wohl nicht schämen, wenn ich ein Faible für exotische Bilderstrecken entwickelt habe. Über zwei besondere Zeitschriften möchte ich heute berichten, auch wenn der Anlaß ein betrüblicher ist. Beide haben nämlich in der vergangenen Woche ihr Erscheinen eingestellt.


Das erste Beispiel fällt in die oben genannte Kategorie: Free&Easy aus Japan. Seit 1998 war das Magazin eine Institution in Sachen Americana und widmete sich mit Hingabe der Kleidungskultur der USA des 20. Jahrhunderts. Die japanische Vorliebe für die klassische Hoch-Zeit von Ivy League, Work Wear und Military Wear ist legendär, noch viel stärker als im Deutschland der Nachkriegszeit hatte sich im Fernen Osten das Gespür für die US-Kultur in einen regelrechten Kult verwandelt. Free&Easy pflegte diesen Kult, begleitete und förderte dabei eine Industrie, die den Lifestyle der 30er bis 70er Jahre inzwischen in ein äußerst lukratives Marktsegment verwandelt hat. Vintage anybody?

Japaner waren die ersten, die authentische Repliken der 501-Jeans auf ebenso authentischen Webstühlen herstellten, und sie waren die ersten, die die Thrift Shops in den USA nach den versunkenen Kleidungs- und Dekoschätzen des Amerikanischen Jahrhunderts durchforsteten. In gewisser Weise haben sie dieses Erbe verwaltet und am Leben erhalten, lange bevor Ralph Lauren und andere Modeimperien den Wert der eigenen Fashiongeschichte erkannten. Magazine wie Free&Easy waren der Katalysator für diese Szene, weniger in einem ideologischen Sinn als vielmehr durch ihre katalogartige Anmutung: Auf den Seiten des fotolastigen Magazins wurde noch das letzte Detail einer versunkenen Qualitäts-Welt festgehalten - und ich habe diesen fast manischen Sinn für das Kleinteilige immer bewundert, wenn ich mich selbst durch dreiseitige Fotoauflistungen von "Talon"-Reißverschlüssen kämpfte oder das erstaunlich farbenfrohe und abwechslungsreiche Universum der Jeans-Knöpfe kennenlernte. Ganz zu schweigen von den unterschiedlichen Arten, auf der Back Pocket einer Jeans eine Ziernaht anzubringen.


Doch das Konzept von Free&Easy barg auch einen Nachteil: Den der Redundanz. Als Kopiervorlage für Denimhersteller hochwillkommen, war der Erkenntnisgewinn für den durchschnittlichen Leser (nicht den Kauz wie mich!) eher bescheiden. Es ist wie mit allen Fachzeitschriften, die eine spitze Zielgruppe haben - irgendwann ist alles dokumentiert, gesagt, gezeigt. Die tröstende Kuscheligkeit einer abgeschlossenen Inhalte-Epoche wurde im Falle Free&Easy zum Auflagen-Bumerang, denn es kann per definitionem nichts Neues hinzukommen. Die Vintage-Welt ist nun mal ein Goldfischglas.




Inventory aus Kanada wollte diese Fehler vermeiden. Seit 2009 bemühten sich das Magazin und die gleichnamige Online-Plattform, zum Forum eines zeitgenössischen Umgangs mit den Themen Heritage, Fashion, Fotografie und Kunst zu werden. Contemporary auch in der Ästhetik, die im Gegensatz zum chaotischen Bilderbuch von Free&Easy stets wunderbar klar und strukturiert daherkam, mit Fotostrecken, die im kühlen Layout atmen durften und Textblöcken, die mit ihrer kleinen Schrift wie Inseln im weißen Grundton der Seiten wirkten. Inventory war ein schönes Magazin, eines, dass man gerne in die Hand nahm und einfach nur ansah. Eines jener Hefte, die man sammelt, weil sie als Gesamtkunstwerk gefallen. Das Magazin spielte bei allem Zeitgenossentum mit im Konzert der vergangenheitsverliebten Puristen, gab dem Ganzen aber einen modernen Touch: Gerne interviewten die Inventory-Macher Kreative, die auf dem Americana-Erbe aufbauten und sich um ein Update für das 21. Jahrundert bemühten.

Auch dieses Heft ist nun - nach Ausgabe 13 - eingestellt worden. Die Macher möchten sich neuen kreativen Herausforderungen widmen und ich glaube, man wird wieder von ihnen hören. Wahrscheinlich dann im Digitalen, da gehen ja jetzt alle hin.

Beiden Publikationen ist eines gemeinsam: Sie waren Ausdruck einer veränderten Publisher-Kultur, technisch wie gedanklich. Inzwischen braucht es keinen Großverlag mehr, um aufwändige Magazine herauszubringen und es braucht auch keine Millionenauflage, um profitabel zu sein. Eine in sich stimmige Idee reicht aus. Früher hätten Menschen wie die hinter Free&Easy oder Inventory selbstkopierte Fanzines herausgegeben, in Schwarz-Weiß und mit Heftklammern zusammengehalten. Heute können sie ihre ästhetischen und inhaltlichen Vorstellungen so ausführen wie die "richtigen" Magazine, die in den Entwicklungsabteilungen der Großverlage auf dem Reißbrett entstehen. Im Gegensatz zu Letzteren haben die Indies sogar eines: Seele.

So ist es einerseits traurig, wenn es die beschrieben Publikationen nun nicht mehr gibt. Aber in den Startlöchern stehen schon jede Menge New Kids On The Zeitschriften-Block, die ihre jeweiligen Spezialgebiete ebenfalls mit Herzblut und Kreativität beackern. Beispiel gefällig? Bitteschön: Jocks And Nerds!
 

Samstag, 20. Februar 2016

Wie man mit einem Lachs verreist



"Wen die geltende paradoxe Rechtslage zwingt, eine schwierige wirtschaftliche Lage dadurch zu lösen, daß er die Universität so schnell wie möglich abschließt, für den bieten sich zwei Lösungen an: 1. Eine vernünftige Summe investieren und sich die Arbeit von einem anderen schreiben zu lassen. 2. Eine an einer anderen Universität schon einige Jahre früher geschriebene Arbeit abschreiben (...)."

Dies ist ein Zitat von einem renommierten Professor, der seinen Studenten in einem kleinen Kompendium erklärt, wie man eine wissenschaftliche Abschlußarbeit schreibt. Das Werk ist schon etwas älter und wurde eindeutig im Vor-Internet-Zeitalter verfasst (remember the Guttenberg-Galaxis?), zeigt durch Sätze wie den obigen jedoch, dass der Professor sich nicht im verstaubten Elefenbeinturm seiner Fakultät eingeschlossen hatte, sondern die (wirtschaftlichen) Nöte seiner Studenten durchaus ernst nahm. Und gleichzeitg mit gesundem Pragamatismus leise Kritik an den Gegebenheiten der moderen Massenuniversität übte.

Der Name des Professors ist Umberto Eco und das Buch ist heute noch erhältlich. Von einem deutschen Professor hat man solche Zeilen nie gelesen und auch wenn Eco im Nachgang zu dem Zitat feststellt, "es versteht sich, das die soeben gegebenen Ratschläge rechtswidrig sind", so ist dieser praktische Umgang mit der studentischen Realität ein Zeichen für seine Auffassung von Wissenschaft, die nie den sozialen und politischen Kontext aus den Augen verlieren sollte. Eco wußte, dass nicht die Studenten kriminell sind, die abschreiben oder betrügen, sondern jenes Uni-System, das die Rich Kids schamlos bevorzugte.

Diese Verbindung zum "realen" Leben, der Jetztzeit und dem politischen Scharfsinn hat man bei ihm immer gespürt, selbst wenn er von mittelalterlichen Ketzern schrieb, Comics analysierte oder in seinen "Streichholzbriefen" leise-ironisch das Italien des 20. Jahrhunderts kommentierte. Eco war ein Mann der Moderne, genauer: der Postmoderne, dessen universales Wissen stets schelmisch und nie angeberisch daherkam. Er warf permanent geistige Nebelkerzen, verbarg die umfassende Enzyklopädie seines Geistes in leicht zu lesenden Paperback-Blockbustern und lächelte nur gütig, wenn man versuchte, ihn festzulegen. In seinem Universum hatte alles mit allem zu tun, es gab unzählige verklausulierte Querverweise und sich überlagernde Meta-Ebenen.

"Der Name der Rose" beginnt mit dem simplen Satz "Natürlich, eine alte Handschrift.", doch was dann folgt, ist gar nicht simpel - und schon gar nicht eindeutig. Das Buch ist ein Geschichtstext, eine Detektivgeschichte und ein philosophisches Traktat, es treten Geistesgrößen, Schriftsteller und Scharlatane auf. Sherlock Holmes, Jorge Luis Borges, die Bibliothek von Alexandria und die Poetik des Aristoteles, die Frage, ob Jesus lachte, die Anfänge der Scholastik und selbst die Roten Brigaden - sie alle vereinen sich zu einem feurigen Rundumschlag, den man unmöglich mit einmaligem lesen erfassen kann. Und am Ende liegt alles in Trümmern.

Was hat man nicht alles hineingelesen in dieses Buch - eine wunderbar ironische Bestätigung für Ecos These vom lector in fabula, dem Leser, der das Buch erst erschaffe. Der Semiotiker Eco spielte immer mit den Erwartungen des Offensichtlichen, aber er war alles andere als oberflächlich. Ganz im Gegenteil: Je tiefer man in sein Universum eindrang, desto ungewisser wurden alle oberflächlichen Gewissheiten. Eco lockte einen als unterhaltsamer Flötenspieler in den Dschungel der Fakten und der Philosophie - und ließ einen am Ende mit den rauchenden Trümmern des bisherigen Weltbilds allein. Wer sich mit ihm beschäftigte, dem blieb eines nicht erspart: Denken. 

Bis man das merkte, hatte man sich aber schon köstlich amüsiert.

Ciao, Signore Eco!

Donnerstag, 11. Februar 2016

Derby-Sieger

Jetzt ist es passiert. In der aktuellen Ausgabe einer Fachzeitschrift für alte Autos finde ich einen lobenden Artikel über ihn: Den Volkswagen Derby der zweiten Serie, den meine damalige Freundin zum 18. Geburtstag bekommen hatte. Ihre Eltern hatten es gut gemeint und der Fahranfängerin in mühevoller Kleinarbeit ein leicht verunfalltes Exemplar dieses Rentertransporters wieder aufgebaut. Mit braunem Metallic-Lack. Mit braunen Sitzen. Mit ohne Glamour.

Auch in hellgrün hässlich: Der Derby.
Das war Ende der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Wir spotteten natürlich über das fäkalfarbene Anti-Spaßmobil mit seinem dürren Schaltstock (damals war das wirklich noch ein Stock!), seinem Innendesign im Stile einer billigen Schneider-Stereoanlage und dem seltsam hoch angeklebten Stufenheck, das aus dem knackigen Polo einen Traumwagen für Herrn Stubenrauch machte. Herr Stubenrauch war der lodenbehütete Hausmeister meiner Zivildiensteinrichtung, gefürchtet wegen seiner autoritären Art und seiner Mitgliedschaft in einem Kleingartenverein. Da hatten wir's: Kleingarten plus Kleinwagen gleich uncool hoch drei!

Und das soll jetzt alles auf einmal nicht mehr gelten? Besagte automobile Fachzeitschrift reiht den Derby nämlich ein in eine motorisierte Ahnenreihe, in der Ikonen wie Golf GTi oder Ford Granada ganz selbstverständlich vertreten sind. Und womit? Mit Recht. Weil sie kein Derby sind. 
 
Nur cool mit ATS-Felge: DAS war ein Auto, Herrschaften!
Gut, ich gebe zu, ich hatte auch meinen Derby-Moment. Damals, als mein Kadett C mit den schwarzen Rallyestreifen mal wieder, nun, sagen wir: unpässlich war. Er lief halt nicht. Ich musste jedoch dringend in eine rund 30 Kilometer entfernte Stadt und lieh mir zähneknirschend den braunen Derby meiner Freundin, auf dessen Beifahrersitz ich mich sonst nur mit hochgeschlagenem Mantelkragen und verspiegelter Sonnenbrille duckte. Sie gab mir gönnerhaft die Schlüssel und ich startete den Rasenmähermotor mit seinen bärigen 40 PS. Nie hat es eine unpassendere Kombination gegeben: Ein rauchender Typ mit "Youth of Today"-Shirt am Steuer dieses Vorstadt-Blumenkastens, und aus dem asthmatischen Cassettengerät dröhnt wild übersteuernd Ian Astbury über Andy Warhols Muse "Edie".
Ich hätte es damals natürlich nie zugegeben, aber der Derby fuhr sich, ähem, passabel. Er war eben ein Volkswagen - solide, unauffällig und störungsarm. Aber auch so aufregend wie der Vereinsabend der Kleingärtner. Deshalb erübrigte sich jede Diskussion: Dieses Auto würde nie auch nur in die Nähe des Begriffs 'cool' gelangen. Und genau das sagte ich meiner Freundin, als ich ihr die Schlüssel zurückgab.

2016 feiert man den Spießer-VW als standesgemäßen Oldtimer mit großem Fan-Potential. Herr Stubenrauch hat gesiegt. Mein Kadett ist längst verrostet und ich habe gute Freunde, die einen Kleingarten besitzen.
Aber deshalb kommt mir noch lange kein Derby in die Garage!

In der nächsten Folge: Warum auch der doppelt so große Bruder des Derby - der doppelt so öde VW Jetta - auf einmal hot sein soll...

Donnerstag, 7. Januar 2016

Was mit Medien.



So langsam komme ich nicht mehr mit.

Alle reden ja im Moment über die Silvesternacht von Köln, den Maghrebiner an und für sich sowie über eine Oberbürgermeisterin mit gaaanz langen Armen. Ich habe drüben bei Facebook ein-, zweimal meinen Senf dazu gegeben, aber im Grunde möchte ich mich mit den versammelten Trollen dort nicht in einer Diskussion aufreiben. Das Gesichtsbuch ist und bleibt ein Tummelplatz von Wuthipstern mit Schaum vorm Mund - und ich stelle mit Erschrecken fest, dass einige meiner sogenannten Freunde dort gar nicht die gelassenen Weltbürger sind, als die sie sich jahrelang maskiert haben. Ganz zu schweigen von den Legasthenikern mit Ausrufezeichen-Diarrhö.

Was mich aber gerade auch noch umtreibt in dieser unsäglichen Diskussion ist der Vorwurf, die überregionalen Medien hätten zu spät über die Vorfälle in Köln berichtet. Was sich zunächst nach dem berechtigten Einfordern objektiver  Information anhört, ist bei genauerem Hinsehen exakt das Gegenteil: Ein Plädoyer für aufgeregten Nullwertjournalismus. Nehmen wir einmal die Sichtweise von Süddeutscher Zeitung, FAZ oder meinetwegen selbst des Spiegel an: Für ein Medium außerhalb von Köln ist in besagter Silvesternacht nicht viel passiert - das bestätigte ja auch der kölsche Polizeibericht am 1. Januar, der sinngemäß "keine besonderen Vorkommnisse" meldete. Und für anständigen Journalismus gehört es sich, aus dem berühmten umgefallenen Sack Reis in China keinen nordkoreanischen Wasserstoffbomben-Test zu machen. Das passiert an den falschen Stellen nämlich bereits zu oft.

Wie also kann man jetzt in bewährter Lügenpresse-Manier darüber meckern, dass Zeitungen und Rundfunk sich mit der Berichterstattung und Bewertung der Kölner Vorfälle etwas Zeit gelassen haben? Dass sie sauber recherchieren und die Fakten gelassen einordnen wollen? Was ist denn die Konsequenz einer "schnellen" medialen Abbildung? Richtig, die Simpsons:

Reporter Kent Brockman: "When cat burglaries start, can mass murders be far behind? This reporter isn't saying that the burglar is an inhuman monster like the Wolfman, but he very well could be. So, professor: would you say it's time for everyone to panic?"

Professor: "Yes I would, Kent."

So wie Kent Brockman den Zusammenhang vom normalen Einbruch zum Massenmord herbeiredet, so sollen also auch die Ereignisse von Köln in atemloser, unreflektierter Manier behandelt werden: Endstation Apokalypse? Das ist, mit Verlaub, totaler Bullshit. Und dieser Bullshit kommt im übrigen in der Regel von Leuten, die sich wendehalsig montags in Dresden über die Hysterie der Mediendemokratie aufregen und darin eine Gefahr für den "kleinen Mann" sehen. Oder erwartungsgemäß von der CSU.

Einen ähnlichen Ablauf wie jetzt in Sachen Köln gab es schon im November bei den Terroranschlägen von Paris. Während bei CNN ein aufgeregter Kent-Brockman-Lookalike auf der Champs Elysee davon faselte, die Weihnachtseinkäufe der Franzosen seien in vollem Gange (Anfang November!), die Stadt sei voller Menschen und der Konsument als solcher sei nun einer enormen Bedrohung ausgesetzt, schaltete die Tagesschau zur Paris-Korrespondentin Ellis Fröder, die aus der Unübersichtlichkeit der Situation (und dem entsprechenden vorsichtigen journalistischen Herantasten) keinen Hehl machte. Das Ende vom Lied? Allgemeines Gemerckere über eine angeblich nicht vorhandene News-Kompetenz der öffentlich-rechtlichen Sender. Tenor: Nicht zu fassen, sie geben zu, dass sie eine Stunde nach mehreren Anschlägen in einer Millionenstadt nicht viel wissen! Von unseren Gebührengeldern!

Und da komme ich dann nicht mehr mit. Außer, ich unterstelle den "Kritikern" ein Höchstmaß an Heuchelei.


Freitag, 8. März 2013

Ansage.


Ich befinde mich - wie jedes Jahr um diese Zeit - kurz mal im Land der Wellblech-Insekten. A Bientot!

Dienstag, 12. Februar 2013

Blue Jeans @ Centraal Museum

Genauso heißt die Ausstellung, die noch bis zum 10. März im Centraal Museum zu Utrecht besichtigt werden kann. Ihr Inhalt: Die Geschichte der Nietenhose, des Denim-Stoffs und der Mode. Alles in indigo.


Das älteste in Utrecht gezeigt Beispiel für einen Jeans-Stoff ist das Bild eines unbekannten norditalienischen Meisters aus dem späten 17. Jahrhunder, das eine Bettlerin mit ihren Kindern zeigt. Bemerkenswert daran: Der Rock aus dem groben Denim, den die Frau trägt, zeigt genau dieselben "Fading"-Zeichen, wie wir sie von modernen Jeans kennen.


Der Jeansstoff ist also schon deutlich älter als die daraus geschneiderten Hosen. Hier hätte ich mir auch noch gerne ein paar mehr praktische Beispiele gewünscht, aber stattdessen schwenkt die Ausstellung schnell in Richtung Denim-Moderne, in der die Marke Levi's eine große Rolle spielt. 1873 erhielt sie das Patent auf die mit Nieten verstärkte Jeans. Aus dieser Zeit stammen auch die Fragmente von Hosen, die in Utrecht zu sehen sind:


Es würde zu weit führen, die Ausstellung hier komplett zu erläutern, daher hier nur ein paar Impressionen. Neben der Geschichte der Jeans geht das Centraal Museum auch auf den Einfluß der Jeans auf die Jugendkultur (und umgekehrt!) ein, zeigt moderne Designstudien und erwähnt auch die Schattenseiten des globalen Denimgeschäfts. Zusätzlich gibt es Workshops und spezielle Seminare - zum Beispiel über die Kunst, eine Jeans zu reparieren. Das Begleitheft zu den ausgestellten Strücken steht übrigens auf der Homepage des Centraal Museums kostenlos zum Download bereit.

Sonntag, 10. Februar 2013

Utrecht

Karnevalsflucht? Nein, nicht wirklich. Schließlich habe ich standesgemäß zur Jahreszeit auf dem iPod die Wiedergabeliste mit Willi Ostermann und Trude Herr reaktiviert. Aber es wurde mal wieder Zeit, über den Tellerrand zu blicken. Also mit dem Missionswerk "Rheinischer Frohsinn" auf ins schneewehende Holland, wo die Heilsarmee Hotels betreibt, in denen es nichts zu trinken gibt und wo in den Straßen die Frikadel vom Einfallsreichtum der lokalen Küche kündet. Und zwar rund um die Uhr:



Utrecht hieß das Ziel. Und wer sich einmal durch die unglaublich hässlichen Vorstädte neben der A12 durchgekämpft hat, in denen sich Brutalismus und Postmoderne fröhlich die Hände reichen, der wird belohnt mit Kanälen, skurrilen Geschäften und einer wunderbaren Altstadt, in der das Glockenspiel des Doms zünftige Stimmungshits spielt (Karneval!).



Auch nicht schlecht: Der Kaffee im Winkel van Sinkel und die, nun ja, erotischen Backformen im örtlichen Haushaltswarenbedarf.



Ach ja, der Anlass der Reise war übrigens das hier:


Davon später mehr.

Montag, 28. Januar 2013

Breaking News.

Moderne Kickerhalle mit künstlichem Firmament.


Soeben vom montäglichen Ballspiel zurück - es gibt Erfreuliches zu berichten: Erneut gelangen mir im Trikot der Deutschen Demokratischen Republik mehrere überdurchschnittlich pfiffige Tore (und wer meinen Stil im Umgang mit dem Leder kennt, der weiß, das dies nicht allzu oft vorkommt, pflege ich doch eher durch die sogenannten Deutschen Tugenden - also Kampf und Hartnäckigkeit - aufzufallen).

Besonders hervorzuheben ist dabei eine Traumkombination mit einem Mitspieler sowie der anschließende Torerfolg, der durch eine geschickte Drehung meinerseits, die Änderung der Flugbahn des Balles mittels meiner Hacke (mit links!) und die absolute Demütigung des Torwarts (durch die Beine gespielt!) ermöglicht wurde. In meinem Kopf: Tosender Jubel, imaginierte Vuvuzela-Orchester und begeisterte Expertenkommentare

Neuer teuflischer Plan: Ältester Nationalspieler der Welt werden. Zur Not eben in Burkina Faso.

Freitag, 25. Januar 2013

Wie ich im Fernsehen einmal das Schlimmste verhinderte.


Der 25. Januar 1993 war ein Montag. Ich saß in der brandneuen Regie 1 des Sendezentrums und war ein wenig nervös. Damit war ich nicht alleine, denn auch der Programmdirektor war nervös. Und der Ablaufregisseur, der Bildmischer, der Nachrichten-CvD und der Ministerpräsident. Seit Monaten war der Probebetrieb gelaufen, es waren Piloten gedreht worden und Live-Proben von Studiosendungen waren über die Bühne gegangen. Leitungen wurden gelegt, Scheinwerfer justiert, Vorspann-Musiken komponiert. Menschen waren eingestellt worden, ein Logo wurde entwickelt und eine Anzeigen- und Trailerkampagne lief an.

Und jetzt war es soweit: Aus dem ehemaligen "Westschienenkanal", dem politischen Lieblingsobjekt der Landesregierung und des Bertelsmann-Konzerns, wurde ein richtiger Sender: Vox. Am 25. Januar 1993, Punkt 17 Uhr, hatte ich den wichtigsten Job im ganzen Sender: Ich bediente den Teleprompter, von dem Programmdirektor Ruprecht Eser die wohlfeilen Worte ablas, mit denen er ein Millionenpublikum zu begrüßen hoffte: "Guten Abend. Wir sind die Neuen auf Ihrem Bildschirm. Wir heißen Vox. Das ist lateinisch und heißt 'Die Stimme'. Sie kommt aus Köln, da ist Vox zu Hause." (Die Millionen Zuschauer waren allerdings gerade woanders und das sollte auch in den nächsten Monaten so bleiben. Aber das ist eine andere Geschichte.)

Natürlich ist es anmaßend zu behaupten, das Wohl und Wehe des Senders hätte in diesen Momenten von mir, einer studentischen Aushilfskraft, abgehangen. Aber meine Macht war in der Tat nicht gering: Ich regulierte mittels eines großen Drehknopfs die Geschwindigkeit, mit der der elektronische Text vor Esers Hauptkamera ablief - und eine schlichte, schnelle Bewegung aus meinem Handgelenk hätte ihn zu einer Sprechgeschwindigkeit verdonnert, die eher einem Rapper geglichen hätte als einem distinguierten Journalisten. Im Nachhinein eine schöne Vorstellung, doch ich war mir meiner Verantwortung natürlich bewußt und gab Eser mit ruhiger Hand den Takt vor. Ohne Hast und mit gelassener Souveränität brachten Ruprecht und ich unseren Weg durch das Minenfeld der Technik und der Worte hinter uns.

Bedankt hat er sich übrigens nicht, der Herr Eser. Warum auch, er musste ja gleich darauf in die Kantine und mit dem Ministerpräsidenten anstossen. Ich mampfte derweil ein Frikadellenbrötchen und fand, ich hätte den historischen Moment souverän gemeistert.

Samstag, 29. Dezember 2012

Die Charts 2012

Tempus fugit, Teil 2012.

Gut:
Fahrrad des Jahres: Schweizer Ordonnanzfahrrad 05.
23 Kilo Zuverlässigkeit.

Konzert des Jahres: Ray Collins' Hot Club.
Wo andere Bands aufhören, fangen sie erst richtig an.

Auto des Jahres: Mercedes Benz W123 TD 300.
Immer noch. Aber der Golf schlug sich auch wacker.

Hot Rod-Veranstaltung des Jahres: Headbanging Finsterwalde.
Alte Autos, alte Freunde. Klassiker. Gruß an Arild und die Boys im Feuerwehr-Transit.

Altstadt des Jahres: Albenga/Italien.
Neuentdeckt nach über zehn Jahren.

Herrenausstatter des Jahres: Uwe van Afferden.
Ein Diktator mit Kampfhund. Beide freundlich, aber eigen.

Autojumble des Jahres: Lipsheim/Frankreich.
Psst, immer noch Geheimtipp für Autos und alte Möbelstücke.

Werkstatt des Jahres: Autosport Ameglio, Imperia/Italien.
Die Rallyefahrer vom Flussufer. Das wahre Italien, inklusive Espresso.

Single des Jahres: "Hurricane" MS MR.
Viel Hall, viel Pathos.


Schlecht:
Steuernachzahlung des Jahres: So spät, dass man es schon vergessen hatte. Aber Gevatter Schäuble holt sie sich alle. Und dann kam noch die Kfz-Steuer für den Benz...

Fussball-EM: Tiki-Taka-Fussball bis zum Erbrechen. The End Of Football As We Knew It.

Fernsehprogramm: Ich kenne keinen Redakteur, Cutter, Kameramann, Producer, der gerne (deutsches) TV guckt. Nuff said.

Facebook: Wer sich einmal in den kryptischen Formulierungen auf den sogenannten "Hilfe"-Seiten verheddert hat, weiß: Facebook is evil.

Prokastination: Muße muss sein, aber auch in diesem Jahr hielt sie mich das eine ums andere Mal davon ab, Dinge zu tun, die längst hätten getan werden müssen. Staubsaugen. Steuererklärung. Ölwechsel. Weltherrschaft erobern.

Sportunterricht und Nachtleben: Beides Indikatoren für den eigenen körperlichen Verfall. Und Auslöser von Sätzen, die mit "Früher, da konnte ich noch..." beginnen.


Mittel:
Ungewollte Komplimente: Ohne Androhung von Repressalien freiwillig auf 38 geschätzt zu werden lässt die eigenen Defizite (siehe oben) vergessen.

Steuerrecht: Übernachtungen auf der Urlaubsfahrt mit Recherche-Tätigkeit zu verbinden entlastet das Reisebudget.

Krankenhausaufenthalte: Endeten in diesem Jahr immer frühzeitig und nach maximal drei Stunden. Also alles richtig gemacht.

Donnerstag, 27. Dezember 2012

Wüsten-Truck.


Winterzeit, Bastelzeit. Jetzt sitzt man gerne nächtelang am Tisch und fummelt sich im Maßstab 1:35 zum Beispiel in die Wärme der libyschen Wüste. 

Fast jedes Jahr um diese Zeit nehme ich mir einen Bausatz vor und verbringe damit lange Abende - ich weiß, damit bin ich durchaus ein Fall für "Deutschland sucht den Super-Nerd", aber ich genieße diese völlig zweckfreie Tätigkeit zur Erstellung von Staubfängern stets sehr. Es geht nicht um das Ergebnis, um Anerkennung oder Lob - es geht darum, sich detailliert in ein Thema einzugraben, sich in einem Prozeß zu verlieren und die eigenen Fähigkeiten in einem komplett unnützen Bereich zu verbessern.

Hier also ein kleiner Zwischenbericht zum Chevrolet 30 cwt 4 x 2 General Service Truck in den Diensten der britischen Spezialeinheit Long Range Desert Group. Die Besatzung ist noch im Bau - und dann muss ich mir noch überlegen, wie ich eine Miniatur-Wüstenlandschaft hinkriege...



Mittwoch, 26. Dezember 2012

Jingle Bell.


Frohe Festtage, Herrschaften!  
Mir hat der Weihnachtsmann (das Christkind, der Coca-Cola-Truck...) eine formschöne Messingklingel für das antike Velociped gebracht. Und die Erkenntnis, dass man Weihnachtslieder nur sehr schwer gurgeln kann.