Donnerstag, 21. Juni 2012

Whatever happened to Rock'n'Roll?


Die jungen Damen auf dem Foto schauen recht gelangweilt. Sie sind gekommen, um ein Konzert zu geniessen, einen Drink zu nehmen, zu rauchen - und dann das.

Die US-italienische Kooperations-Band Xsiu Xsiu Larsen (kurz: XXL) sollte es sein, angekündigt als "Morrissey des weird sad popsongs". Mittelalte Herren aus den US of A sowie Italien, die in einem röchelnden tschechischen Tourbus anreisten und ab dem ersten Ton den kleinen Club mit einer Motörheadmäßigen Lautstärke beschallen, dabei aber Prog-Rock mit Eso-Anklängen und 80er-Schwermut-Anfällen abliefern. Kaugummi-Schichten, die übereinandergelegt werden, bis sich daraus zwar kein Wall Of Sound, aber immerhin eine stachelige Gesamtfläche entwickelt hat, die droht, die Zuhörer mit hochtönendem Gezirpe und Gefiepe zu erstechen. Manchmal wummst der Beat auf und die Kopfnickerfraktion im Publikum ist dankbar für jede klassische Songstruktur, die zumindest ein Mitwippen möglich macht.

Alles schön und gut, mit ein bißchen Abenteuerlust und unter Umgehung der intellektuellen Überhöhung des enigmatischen Krachs hätte das ein netter Abend werden können. Aber. Die Aschenbecher wurden entführt.
Vorher.
Bevor sie zu spielen anfingen, verkündeten die mittelalten Herren von XXL ihre Abneigung gegen die Nikotinsucht: Bitte während und nach (!!) dem Konzert nicht rauchen! Begründung gab es keine, aber die Thekencrew begann sofort mit der Konfiszierung der Aschenbehälter. Und zwar so schnell, dass ich kein unverwackeltes Bild derselben mehr machen konnte und nur noch die Abwesenheit dokumentieren konnte:
Nachher.
Ich gehe nicht zum Rauchen auf ein Konzert. Aber in einem Laden, der als Raucher-Club deklariert ist, finde ich es schon extrem bevormundend von unseren sensiblen Herren Künstlern, mir den Genuss von Tabakwaren zu untersagen. Kommt sehr unsympathisch rüber - und sehr Jugendzentrum-PC-mäßig. Das passte dann wieder zur Musik, die man als eine Art Mischung aus Swans, Sonic Youth, Eyeless in Gaza und Big Black bezeichnen könnte. Retro-Depri-Jazzrockpunk. Zum Glück haben sie das Publikum nicht auch nach seinem Verhältnis zum Fleischkonsum und dem Schicksal Tibets befragt. 

Wir sind dann recht schnell gegangen - hierhin:

Dort blieben die Ascher den ganzen Abend auf den Tischen. Und die Lautstärke war auch okay.

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