Donnerstag, 7. Januar 2016

Was mit Medien.



So langsam komme ich nicht mehr mit.

Alle reden ja im Moment über die Silvesternacht von Köln, den Maghrebiner an und für sich sowie über eine Oberbürgermeisterin mit gaaanz langen Armen. Ich habe drüben bei Facebook ein-, zweimal meinen Senf dazu gegeben, aber im Grunde möchte ich mich mit den versammelten Trollen dort nicht in einer Diskussion aufreiben. Das Gesichtsbuch ist und bleibt ein Tummelplatz von Wuthipstern mit Schaum vorm Mund - und ich stelle mit Erschrecken fest, dass einige meiner sogenannten Freunde dort gar nicht die gelassenen Weltbürger sind, als die sie sich jahrelang maskiert haben. Ganz zu schweigen von den Legasthenikern mit Ausrufezeichen-Diarrhö.

Was mich aber gerade auch noch umtreibt in dieser unsäglichen Diskussion ist der Vorwurf, die überregionalen Medien hätten zu spät über die Vorfälle in Köln berichtet. Was sich zunächst nach dem berechtigten Einfordern objektiver  Information anhört, ist bei genauerem Hinsehen exakt das Gegenteil: Ein Plädoyer für aufgeregten Nullwertjournalismus. Nehmen wir einmal die Sichtweise von Süddeutscher Zeitung, FAZ oder meinetwegen selbst des Spiegel an: Für ein Medium außerhalb von Köln ist in besagter Silvesternacht nicht viel passiert - das bestätigte ja auch der kölsche Polizeibericht am 1. Januar, der sinngemäß "keine besonderen Vorkommnisse" meldete. Und für anständigen Journalismus gehört es sich, aus dem berühmten umgefallenen Sack Reis in China keinen nordkoreanischen Wasserstoffbomben-Test zu machen. Das passiert an den falschen Stellen nämlich bereits zu oft.

Wie also kann man jetzt in bewährter Lügenpresse-Manier darüber meckern, dass Zeitungen und Rundfunk sich mit der Berichterstattung und Bewertung der Kölner Vorfälle etwas Zeit gelassen haben? Dass sie sauber recherchieren und die Fakten gelassen einordnen wollen? Was ist denn die Konsequenz einer "schnellen" medialen Abbildung? Richtig, die Simpsons:

Reporter Kent Brockman: "When cat burglaries start, can mass murders be far behind? This reporter isn't saying that the burglar is an inhuman monster like the Wolfman, but he very well could be. So, professor: would you say it's time for everyone to panic?"

Professor: "Yes I would, Kent."

So wie Kent Brockman den Zusammenhang vom normalen Einbruch zum Massenmord herbeiredet, so sollen also auch die Ereignisse von Köln in atemloser, unreflektierter Manier behandelt werden: Endstation Apokalypse? Das ist, mit Verlaub, totaler Bullshit. Und dieser Bullshit kommt im übrigen in der Regel von Leuten, die sich wendehalsig montags in Dresden über die Hysterie der Mediendemokratie aufregen und darin eine Gefahr für den "kleinen Mann" sehen. Oder erwartungsgemäß von der CSU.

Einen ähnlichen Ablauf wie jetzt in Sachen Köln gab es schon im November bei den Terroranschlägen von Paris. Während bei CNN ein aufgeregter Kent-Brockman-Lookalike auf der Champs Elysee davon faselte, die Weihnachtseinkäufe der Franzosen seien in vollem Gange (Anfang November!), die Stadt sei voller Menschen und der Konsument als solcher sei nun einer enormen Bedrohung ausgesetzt, schaltete die Tagesschau zur Paris-Korrespondentin Ellis Fröder, die aus der Unübersichtlichkeit der Situation (und dem entsprechenden vorsichtigen journalistischen Herantasten) keinen Hehl machte. Das Ende vom Lied? Allgemeines Gemerckere über eine angeblich nicht vorhandene News-Kompetenz der öffentlich-rechtlichen Sender. Tenor: Nicht zu fassen, sie geben zu, dass sie eine Stunde nach mehreren Anschlägen in einer Millionenstadt nicht viel wissen! Von unseren Gebührengeldern!

Und da komme ich dann nicht mehr mit. Außer, ich unterstelle den "Kritikern" ein Höchstmaß an Heuchelei.


Freitag, 8. März 2013

Ansage.


Ich befinde mich - wie jedes Jahr um diese Zeit - kurz mal im Land der Wellblech-Insekten. A Bientot!

Dienstag, 12. Februar 2013

Blue Jeans @ Centraal Museum

Genauso heißt die Ausstellung, die noch bis zum 10. März im Centraal Museum zu Utrecht besichtigt werden kann. Ihr Inhalt: Die Geschichte der Nietenhose, des Denim-Stoffs und der Mode. Alles in indigo.


Das älteste in Utrecht gezeigt Beispiel für einen Jeans-Stoff ist das Bild eines unbekannten norditalienischen Meisters aus dem späten 17. Jahrhunder, das eine Bettlerin mit ihren Kindern zeigt. Bemerkenswert daran: Der Rock aus dem groben Denim, den die Frau trägt, zeigt genau dieselben "Fading"-Zeichen, wie wir sie von modernen Jeans kennen.


Der Jeansstoff ist also schon deutlich älter als die daraus geschneiderten Hosen. Hier hätte ich mir auch noch gerne ein paar mehr praktische Beispiele gewünscht, aber stattdessen schwenkt die Ausstellung schnell in Richtung Denim-Moderne, in der die Marke Levi's eine große Rolle spielt. 1873 erhielt sie das Patent auf die mit Nieten verstärkte Jeans. Aus dieser Zeit stammen auch die Fragmente von Hosen, die in Utrecht zu sehen sind:


Es würde zu weit führen, die Ausstellung hier komplett zu erläutern, daher hier nur ein paar Impressionen. Neben der Geschichte der Jeans geht das Centraal Museum auch auf den Einfluß der Jeans auf die Jugendkultur (und umgekehrt!) ein, zeigt moderne Designstudien und erwähnt auch die Schattenseiten des globalen Denimgeschäfts. Zusätzlich gibt es Workshops und spezielle Seminare - zum Beispiel über die Kunst, eine Jeans zu reparieren. Das Begleitheft zu den ausgestellten Strücken steht übrigens auf der Homepage des Centraal Museums kostenlos zum Download bereit.

Sonntag, 10. Februar 2013

Utrecht

Karnevalsflucht? Nein, nicht wirklich. Schließlich habe ich standesgemäß zur Jahreszeit auf dem iPod die Wiedergabeliste mit Willi Ostermann und Trude Herr reaktiviert. Aber es wurde mal wieder Zeit, über den Tellerrand zu blicken. Also mit dem Missionswerk "Rheinischer Frohsinn" auf ins schneewehende Holland, wo die Heilsarmee Hotels betreibt, in denen es nichts zu trinken gibt und wo in den Straßen die Frikadel vom Einfallsreichtum der lokalen Küche kündet. Und zwar rund um die Uhr:



Utrecht hieß das Ziel. Und wer sich einmal durch die unglaublich hässlichen Vorstädte neben der A12 durchgekämpft hat, in denen sich Brutalismus und Postmoderne fröhlich die Hände reichen, der wird belohnt mit Kanälen, skurrilen Geschäften und einer wunderbaren Altstadt, in der das Glockenspiel des Doms zünftige Stimmungshits spielt (Karneval!).



Auch nicht schlecht: Der Kaffee im Winkel van Sinkel und die, nun ja, erotischen Backformen im örtlichen Haushaltswarenbedarf.



Ach ja, der Anlass der Reise war übrigens das hier:


Davon später mehr.

Montag, 28. Januar 2013

Breaking News.

Moderne Kickerhalle mit künstlichem Firmament.


Soeben vom montäglichen Ballspiel zurück - es gibt Erfreuliches zu berichten: Erneut gelangen mir im Trikot der Deutschen Demokratischen Republik mehrere überdurchschnittlich pfiffige Tore (und wer meinen Stil im Umgang mit dem Leder kennt, der weiß, das dies nicht allzu oft vorkommt, pflege ich doch eher durch die sogenannten Deutschen Tugenden - also Kampf und Hartnäckigkeit - aufzufallen).

Besonders hervorzuheben ist dabei eine Traumkombination mit einem Mitspieler sowie der anschließende Torerfolg, der durch eine geschickte Drehung meinerseits, die Änderung der Flugbahn des Balles mittels meiner Hacke (mit links!) und die absolute Demütigung des Torwarts (durch die Beine gespielt!) ermöglicht wurde. In meinem Kopf: Tosender Jubel, imaginierte Vuvuzela-Orchester und begeisterte Expertenkommentare

Neuer teuflischer Plan: Ältester Nationalspieler der Welt werden. Zur Not eben in Burkina Faso.