Montag, 18. Februar 2013

Die Wahrheit über mich.

Sonntagsausflug in die nähere Umgebung. Angesichts des Proto-Frühlings vor dem Fenster wird der Mercedes angeworfen und die eigentlich geplante ausführliche Lektüre der Sonntagszeitung auf unbestimmte Zeit verschoben. Es lockt das Bergische Land, dessen Motorrad-kompatible Straßen um die Mittagszeit noch nicht von sonnenhungrigen, bärtigen Zahnärzten auf Harley-Davidsons verstopft sind wie sonst an Tagen wie diesen. 

Direkt neben der Klingenstadt Solingen erreichen wir an Bord des Sternenkreuzers und leise dieselnd die Burg.


Der Sessellift ist noch nicht in Betrieb und wird von Bergziegen (Burgziegen?) vor Terroristen und Touristen beschützt:

Am Wegesrand: Morbide bergische Architektur:


Und dann ist da die Wahrsagerin. Ich neige ja nicht zu esoterischen Eskapaden, aber die automatisierte Zukunftsdeuterin, die wahrscheinlich noch aus den 50er Jahren übrig geblieben ist, ruft lediglich 20 Cent für ihre Dienste auf und meine Neugier siegt. Obwohl sie ein wenig nebulös erscheint:


Ich entrichte jedenfalls meinen Obolus und hoffe auf eindeutige Aussagen bezüglich meines weiteren Lebenswegs. Das Ergebnis erreicht mich in Form einer düster raunenden Pappkarte, die mir wenig Hoffnung auf satte Geldgewinne oder berufliche Höhenflüge macht:

Liest man den Text genauer, so beschleicht einen der Verdacht, man habe es hier quasi mit einem gesellschaftlichen Grundgesetz der miefigen Adenauerzeit zu tun: Spare in der Zeit, so hast Du in der Not. Ehrlich währt am längsten. Eile mit Weile. Ich erschauere kurz ob soviel sauber geprägter "Keine Experimente!"-Prosa und beschließe, das meine Zukunft entgegen der mechanischen Wahrsagerin bunt und aufregend zu sein hat. Ich meine, wie ernst kann man eine Prognose nehmen, die auf Karton-Restbeständen des Warschauer Pakts verewigt ist? Eben.

Meine Glückszahl lautet übrigens 1123. Und die Zusatzzahl beim Lotto haben sie mir auch nicht verraten.

 

Kommentare:

  1. hach, herrlich .. ich glaub ich muß beim nächsten mal auch mal wieder heimische burgen und stahlbrücken besichtigen .. den sessellift hatte ich ja schon ganz vergessen. DAS MIT DEM FRÜHLING HALTE ICH ALLERDINGS FÜR EIN GERÜCHT!!!
    m.

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  2. Erinnert mich an den Eintrag meiner Mutter in mein Poesiealbum, vor einer Million Jahre..

    "Wonach du sehnlich ausgeschaut,
    Es wurde dir beschieden.
    Du triumphierst und jubelst laut:
    »Jetzt hab ich endlich Frieden!«

    Ach, Freundchen, rede nicht so wild,
    Bezähme deine Zunge!
    Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,
    Kriegt augenblicklich Junge."

    (So ähnlich war auch die Stimmung indaHaus)

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