Samstag, 28. Juli 2012

Das Ende der Schrecklichen Lucie.

Abbildung ähnlich.
Lucie ist von uns gegangen. Heute morgen habe ich ihre leblosen Überreste einer standesgemäßen Bestattung zugeführt. Sie hatte ein kurzes, ereignisreiches Leben auf meiner Fensterbank. Und genau die war wohl das Problem.

Ich muss das erklären. Lucie war eine Carnivore, eine fleischfressende Pflanze, die mir wohlmeinende Mitmenschen in völliger Verkennung meiner gärtnerischen Fähigkeiten als possierlichen Zimmerschmuck zukommen liessen. Die Bilanz meiner bisherigen Bemühungen um Pflanzen aller Art jenseits von Schnittblumen ist verheerend, ich habe schon Kakteen der sicheren Dehydration zugeführt und auch eine Birkenfeige, die das Pech hatte, für längere Zeit in meinen Wohnräumen Aufenthalt nehmen zu müssen, beendete ihr elendiges Dasein kurzfristig durch das Abwerfen sämtlicher Blätter. Sozusagen floraler Suizid. Als Konsequenz aus diesem Leben als Pflanzentod halte ich mir nur noch einen Papp-Kaktus, dessen Ansprüche an die Pflege sich auf das gelegentliche Abstauben beschränken.

Dann kam Lucie und ich beschloss, all meinen guten Willen zusammenzunehmen und der Ansammlung von kleinen, halbrunden Blüten mit ihren klebrigen Tentakeln ein guter, treu sorgender Blumenfreund zu sein. Ich gewährte ihr einen Platz in bester Lage, bestäubte sie regelmäßig mit Wasser und redete ihr gut zu, in dem ich ihr von saftigen Fliegensteaks und gut abgehangenen Mückenbeinen vorschwärmte. Die Ergebnisse waren ermutigend, Lucie überlebte die ersten Wochen klaglos.

Dann jedoch, von einem Tag auf den anderen, wurde ihr schwarz vor Augen - oder besser: Lucie wurde schwarz. Alle Blüten hatten sich verfärbt und hingen kraftlos an ihren Stengeln. Von der Aufnahme fester Nahrung war Lucie so weit entfernt wie Till Schweiger von einem Oscar. Ich barmte ob meiner Nachlässigkeit und grübelte über die Ursachen der plötzlichen Verdunkelung. 

Inzwischen bin ich drauf gekommen: So, wie die Saurier im Zuge einer plötzlichen Erderwärmung das Zeitliche segneten, trat Lucie wegen fortgesetzter Hitzewallungen von der Bühne des Carnivorenlebens ab - auf meiner südlich gelegenen Fensterbank wurde es ihr hinter dem guten Thermopaneglas einfach zu warm. Sie ist quasi von innen verdampft.

Die schreckliche Lucie hatte nicht viel Zeit, zum Schrecken der Insekten zu werden. Mücken, Fruchtfliegen und Fledermäuse freuen sich jetzt, ist der Luftraum in meinem Wohnzimmer für sie doch wieder gefahrlos durchquerbar. Ich aber rufe den Quälgeistern zu: Freut Euch nicht zu früh - Lucie wird zurückkehren. Und sie ist nicht von Pappe!

1 Kommentar:

  1. ...ich barmte...
    groß!
    kannte ich noch gar nicht, das mit dem Pflanzen hingegen schon/auch

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