Samstag, 9. Juni 2012

Todesfalle Designersofa


Die Idylle trügt. So ein Urlaub kann gefährlich sein. Insbesondere, wenn man dabei das tut, was ich in meinem letzten Post bereits angekündigt hatte: lesen. In meinem Fall führte das Rumlümmeln auf einem bequemen Sofa zwecks Wissensaneignung in Tateinheit mit einem kleinen Nachmittagsschläfchen zeitversetzt zu einem, nun ja, Zwicken im Rücken. Hinten rechts unten, um genau zu sein - oder, in der Sprache der Medizin: Muskulärer Hartspann. Aber davon später.

Ach Gottchen, werdet ihr nun sagen, dieser Vollhonk schafft es nicht einmal, unfallfrei ein paar Seiten umzublättern und verletzt sich beim literarischen Extremsport auf einem handelsüblichen Fauteuil. Ich aber rufe zurück: Ja, ihr habt Recht. Denn aus dem Zwicken wurde im Laufe eines Abends zunächst ein temporäres Zwacken (bitte entschuldigt meine unspezifische Ausdrucksweise, aber ich habe wenig Erfahrung mit körperlichen Gebrechen), das nach dem Zubettgehen zu einem permanenten, peinigenden, pochenden Schmerz mutierte. Ich hypochondrierte mich schon in die Notaufnahme, mit wechselnder Begründung: Blinddarmdurchbruch, Nierensteine, Leberzirrhose. An Schlaf war jedenfalls nicht zu denken. Ich neige normalerweise nicht zur Panik bei kleinen Gebresten, aber ich befand mich immerhin mitten im Nichts, wo nur einsame Rasenmäherroboter leise seufzend ihr Tagwerk verrichten


- und die medizinische Versorgung der näheren Umgebung beschränkte sich überwiegend auf veterinäre Aspekte. Abwarten, dass es schlimmer wird? Nein, es war schon schlimm genug.

Ich wollte Gewissheit - und begab mich zu später Stunde in das eine halbstündige Autofahrt entfernte Krankenhaus. Auf der Fahrt dorthin (verdammt dunkel!) hatte ich ausreichend Gelegenheit, mein Tun vor mir und der Solidargemeinschaft der Krankenversicherten zu rechtfertigen: Ich bezahle seit ziemlich vielen Jahren brav meine Krankenkassenbeiträge und alles, was ich jemals davon zurückgefordert habe, war eine Gehirnerschütterungsbehandlung im Alter von acht Jahren. Da lief ich noch auf der Payroll meiner Eltern! Wenn einer was gut hat beim Gesundheitssystem, dann ja wohl ich (Pläne, das Krankenhaus mit dem Satz "Das hier gehört alles mir!" zu betreten, verwarf ich dennoch aus Gründen der Diplomatie).

Ich hatte Glück: Das Gesundheitszentrum am Rande der nächsten größeren Stadt entpuppte sich an diesem Abend als entspannter Ort mit entspannter, weiblicher Besatzung, die mich innert einer dreiviertel Stunde durchleuchtete und Entwarnung gab: Das Sofa sei schuld und habe meinen Rücken in einer unachtsamen Sekunde derart verformt. Die Therapie bestand demgemäß aus einer die Solidargemeinschaft schonenden Schmerztablette. 

Zum guten Schluss legte man mir nahe, dennoch baldmöglichst einen Orthopäden aufzusuchen und versorgte mich diesbezüglich mit einer schriftlichen Zusammenfassung meiner Anamnese (das hat nichts mit einem Ex-UN-Generalsekretär oder einem Landesteil Vietnams zu tun - so beeindruckend heißt das in Wahrheit, wenn ich von Zwicken und Zwacken rede). Deshalb habe ich es jetzt schriftlich: Lesen kann gefährlich sein. Euer Vollhonk hat es damit bis in den ärztlichen Bericht geschafft:




1 Kommentar:

  1. Haha! Großartig. Ich meine natürlich: Wie schrecklich und schmerzhaft! Gute Besserung! Aber immerhin keine Schmerzen beim Wasserlassen.

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