Montag, 5. März 2012

Der Großarschvogel

Ich mag ja kulturelle Missverständnisse. Selbst, wenn sie schon 60 Jahre zurückliegen.

Amerikanische Piloten im 2. Weltkrieg verzierten ihre Lederjacken gerne mit persönlichen, handgemalten Motiven. Das unterschied sie von ihren deutschen Kollegen, die zwar eine Vielzahl an verschiedenen Jackenmodellen tragen durften (es gab keine Festlegung ihrer Arbeitskleidung im Sinn einer Uniform), diese aber nicht mit eigenen Motiven modifizierten. Die USAAF-Piloten dagegen drückten auf ihren Jacken (und auch in der "Nose Art" ihrer Flugzeuge) oft ihre Sehnsüchte und Wünsche aus - und es ist kein Wunder, dass diese in Kriegszeiten, fern der Heimat, sehr oft die Form weiblicher Motive annahmen:


Auch der Kriegsgegner fand sich oft auf dem ledernen Rücken der Bomberpiloten wieder:


Manchmal manifestierte sich beides - Frauen und Gegner - in ironischer Form auf der Pilotenjacke:


"Der Großarschvogel"! Das für deutsche Ohren ungewohnte Wort dürfte durch eine Art Babelfish-Rückübersetzung des amerikanischen Slangausdrucks "Bird" (für Mädchen/steiler Zahn/kesse Motte/wilde Hummel) entstanden sein, der dann mit dem Verweis auf das ausgeprägte Hinterteil der imaginierten Traumfrau kombiniert wurde. Das Bild entstand laut Anmerkung 1945 bei der 401. Bomber Group - und ist ein schönes Beispiel, wie Style und Haltung im Jazz Age selbst auf Pilotenjacken zu finden war. 
Auf antifaschistischen wenigstens.

Kommentare:

  1. also das mit dem Vogel hast du gut erklärt, das mit Großarsch...da häng ich noch hinterher, aber schöne Geschichte. Wo gabs denn die tollen Bildchen, oder sind das alles deine Jacken?

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  2. Ich habe die Bilder irgendwann mal aus dem Netz abgespeichert, weiß aber gar nicht mehr, wo sie herstammen. Leider gibt es keine genaue Erklärung zu ihrer Entstehung ausser den Informationen, die am Rande der Bilder auftauchen.

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