Sonntag, 5. Februar 2012

Oranje-Deutsch

Ich gehöre ja nicht zu den Sprach-Nazis, die hinter jedem Fremdwort den Untergang der teutschen Kultur vermuten. Meinetwegen dürfen wir alle weiterhin "Explosionsmotor" sagen, damit nicht irgendwelche selbsternannten Sprachwächter mich zwingen, "Zerknalltreibling" zu sagen. Und auch das von germanistischen Schrebergärtnern oft beklagte Denglish gehört für mich zum Esprit (Mon Dieu!) einer lebendigen Sprache dazu, denn nur echte Nazis bestehen auf "Weltnetz" und "E-Post". Es lebe also das Handy, der Service und die Non Food-Abteilung.

Vor diesem Hintergrund plädiere ich sogar für die weitere Aufnahme ausländischer Begriffe in den deutschen Sprachschatz - vor allem, wenn sie so sympathisch zwittrig daherkommen wie dieser mißglückte, dennoch charmante Versuch, das niederdeutsche Idiom, das unsere westlichen Nachbarn am Rande der Nordsee sprechen, mit dem Hochdeutschen zu verbinden:


Der "Räumingsausverkauf" gehört für mich in eine Liga mit dem "We Sale", dass eine kleine Uhren- und Parfümeriefiliale in dieser kleinen Stadt hier für den Gipfel an marketingtechnischer Hipness hält. Morgen gehe ich hin und frage die gutaussehende Verkäuferin: "Du Ausverkauf?" - und sie wird antworten: "Wir Ausverkauf!"

Das ist auch alles okay so, denn die produktiven Missverständnisse sind ja viel interessanter als die sauberste Regelauslegung. Unvergessen übrigens mein Verwechseln von "Fön" und "Ventilator" bei einem karibischen Friseur, der mich frug, wie ich meine Haare trockne: "With a fan!" - ich kenne mich mit produktiven Missverständnissen also aus.

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