Freitag, 27. Januar 2012

Starthilfe 2

Was bisher geschah: Kein Licht, kein Ton. Auf einem dunklen Autobahnabschnitt hatte der Sternenkreuzer sich von jetzt auf gleich geweigert, als Kraftwerk zu funktionieren; die Lichtmaschine killte erst das Radio, dann sich selbst. Bis zur heimatlichen Trinkhalle reichten die Reserven der Batterie noch, doch fortan schwiegen Anlasser, Motor und Fahrer. Der herbeigeeilte Alleswisser T. erörterte den Schaden, fummelte mit elektronischem Gerät herum und beschloss, den Dingen pragmatisch auf den Grund zu gehen. Wir versorgten den Benz mit Fremdstrom und fuhren ihn zu einem sicheren Hafen, an dem die Wahrscheinlichkeit, dass er marodierenden Jugendbanden zum Opfer fiele, beträchtlich geringer war als auf dem zugigen Parkplatz neben meinem Tabaklieferanten.

Wir entwickelten an diesem Abend einen teuflischen Schlachtplan: T. orderte über seine stets dunklen Kanäle einen neuen Regler für die LiMa, Kostenpunkt circa 10 Euro. Das wäre eine günstige Lösung und auch der Einbau sei unproblematisch versicherte mir der Mann mit den großen, aber sensiblen Lichtmaschinen-Schrauberhänden. Ich nickte erleichtert - und ein frugales Mahl in der Pommesbude beschloss diesen an Aufregung reichen Abend. Nachts träumte ich von AC/DC, die "High Voltage" im Kofferraum aufführten.

Ein neuer Tag, ein neues Auto: Ich fuhr im Opel zum Brotwerb und staunte erneut über diesen Ausbund an Zuverlässigkeit, der immer klaglos zu Diensten ist, wenn man ihn braucht. Dann der Anruf von T.: Regler eingetroffen, konspiratives Treffen zwecks Einbau nach Dienstschluss verabredet. Als ich am vereinbarten Treffpunkt autauche, stelle ich fest, dass der Schlangenmensch den neuen Regler bereits installiert hat - ohne die Haube zu öffnen, denn den Wagenschlüssel führte ich bei mir. T. hatte sich trotz imposanter Körpergöße unter das Auto gequetscht und war der Lichtmaschine von unten auf den Pelz gerückt. Respekt.

Bange Sekunden folgten: Wird alles gut? Erneutes Starten mit der Fremd-Energie eines 40jährigen:


Der Benz röchelt, rattert, schüttelt sich. Und dann dieselt er vor sich hin, als sei nie etwas gewesen. Ich will bereits Allah, Jesus und sämtlichen heidnischen Schraubergöttern mit einem Pommes-Festmahl huldigen, da holt mich T. mit seinem seltsamen Messgerät auf den irdischen, ölfleckigen Boden zurück: Das unbestechliche Gerät ermittelt, dass die Spannung der Lichtmaschine ständig geringer wird, während die Spannung beim Altauto-Betreiber permanent zunimmt. Und so erwartet mich ein zweiter Abend in der Doku-Soap "Schatten über Untertürkheim" - ich verbringe ihn vor dem Internet, um eine neue Lichtmaschine zu erwerben. Nachts träume ich von Gilbert Becaud - "Monsieur 100.000 Volt".

Werden unsere Helden die Mächte der Finsternis besiegen? Wird das Ersatzteil vor Einbruch der Dunkelheit geliefert? Wird T. wieder Gummistiefel tragen? Stay tuned!

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