Sonntag, 27. November 2011

Definitiv: Nein!

Ernsthaftigkeit. Energie. Druck. Im positiven Sinn: Eine vibrierende, sanft dominierende Gewalt, die Dich umgibt, körperlich spürbar. In diesem Kontext ein seltsames hippieskes Bild, aber stimmend: Du umarmst einen uralten Baum, in dessen Innern eine Bassbox wummert. Das Ganze mal rasend speedmetalig und sich fast überschlagend, mal zeitlupenschwer wie eine Dampframme.


EA80. Eine druckvolle Wand von einem Sound, nicht mal gut oder angenehm unter Gesichtspunkten der Akustik (aber seit wann geht es bei Punk um Akustik?), sondern eine wuchtige Demonstration des "Immer noch". So, wie die neue Platte heißt - Definitiv: Nein!

Dieses meist geschrieene, mitunter geflüsterte "Nein" gilt seit rund 30 Jahren. EA80 sind sich treu geblieben. Keine Plakate, keine Interviews, kein Merchandising, kein Schnickschnack, kein Personenkult (deshalb hier auch nur verschwommene Bilder meiner Spielzeugkamera). Zuletzt sah ich sie in den Achtzigern in einem Jugendzentrum in ihrer Heimatstadt Mönchengladbach. Vor dem Auftritt verkauften sie das Bier an der Theke und als das Konzert begann, wechselten sie einfach auf die Bühne mit den Worten "Hallo, wir sind die Thekencrew." Auch heute legen sie keinen Wert auf den Status als "Künstler", der durch Habitus und Werk von seinem Publikum getrennt ist. Deshalb singt der Frontmann ein komplettes Stück inmitten des tobenden Mosh Pits vor der Bühne - sie gehen eben dahin, wo's weh tut.
Das Schöne an Bands wie EA80 ist, dass sie Überlebende im besten Sinn sind - sie waren und sind einfach immer da, und das ist in Zeiten wie diesen schon ein Wert an sich. Deshalb sind sie noch lange keine Hardcore-Helmut Kohls. Punk im EA80-Verständnis ist zwar das neue Konservative, eine "Fickt euch!"-Demo gegen den neoliberalen Wahnsinn und ein verzweifelter Aufstand gegen die Einsamkeit des Einzelnen - aber das ist eben nicht reaktionär. Die leicht angegrauten Herren aus der Krachmacherstraße haben mehr Wut, Intelligenz, Witz und Energie als ganze Generationen von ach-so-harten Nachwuchsrappern. Sie haben etwas, was heute als unflexibel und stur angesehen wird: Eine klare Haltung. Und, noch schlimmer: Natürlich sind sie Idealisten. So kommt man nicht in die Charts, aber es ist schön zu sehen, wie 30 Jahre Integrität jung halten können.

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