Freitag, 7. Oktober 2011

Freier Welthandel


Die neue Konfliktlinie im Kampf um wirtschaftliche Hegemonie verläuft nicht nur zwischen China und dem "Westen", sondern auch innerhalb der westlichen Hemisphäre. Die USA fürchten nicht nur den erstarkenden wirtschaftlichen Riesen in Fernost, sondern beobachten ebenso ihre europäischen Verbündeten misstrauisch bei deren Versuchen, neben militärischer Autarkie und politischer Kraftmeierei auch wirtschaftlich zur geeinten Weltmacht aufzusteigen. 

Noch spielen ihnen die Duodezfürstentümer Europas mit ihren nationalen Animositäten in die Hände, aber der Euro zum Beispiel war von Anfang an als Konkurrenzwährung zum Dollar geplant - und das möchten die Betreiber der bisher stärksten Volkswirtschaft der Welt nicht gerne hinnehmen. Die vergleichsweise erfolgreiche Geschichte des Parvenues unter den Währungen, des Euros, in den letzten Jahren sorgt für Stirnrunzeln bei den Hütern des Dollars, der bisherigen Leitwährung im Welthandel. Umso größer also jetzt die Freude jenseits des Atlantiks, dass die ungeliebte Musterschülerwährung aus good old Europe derzeit ins Wanken gerät.

Und es würde mich wundern, wenn bei dem derzeitigen Sperrfeuer amerikanischer Ratingagenturen gegen englische Banken, italienische Kreditwürdigkeit und spanische Wirtschaft nicht auch handfeste politische Interessen im Spiel wären. 

(Die undurchsichtige Rolle der Ratingagenturen in den esoterischen Zusammenhängen des modernen Highspeedkapitalismus erörtere ich dann ab 2035 - dann bin ich in Rente und kann mich der wissenschaftlichen Erforschung des Aberglaubens widmen.)

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