Mittwoch, 28. September 2011

Das Auto des Jahres

Es ist an der Zeit, einen treuen Begleiter zu würdigen. Der Sommer gibt noch einmal sein Bestes, aber die kühle Abendluft riecht durch das geöffnete Autofenster schon nach der vergänglichen Schönheit des nahenden Herbstes. Die Morgen- und Abenddämmerung ist gut für die Leistung - der Vergaser kann mit der kühlen Ansaugluft mehr anfangen als mit den stickigen Molekülen des Hochsommers. Eine gute Zeit, leicht melancholisch Rückschau zu halten auf die vergangenen Motor-Monate ohne in prä-herbstliche Depressionen zu verfallen.

Richtig, es geht selbstverständlich um ein Automobil.

Der alte Opel war auch in diesem Sommer wieder eine sichere Bank. So wie alle alten Opel - sie sind unkaputtbar, anspruchslos und sprichwörtlich zuverlässig. Jeder moderne Über-Karren mit elektronischem Schnick und automatischem Schnack kann mir gestohlen bleiben - ich tausche den Geruch der schwarzen Vinylsitze und die stets leicht staubig riechende Lüftung nicht ein gegen die vermeintlichen Segnungen der automobilen Jetztzeit. Klimanalage? Ich öffne die hinteren Seitenfenster und gleite zugfrei und stilvoll durch den Sommer. ABS? Ach Gott, die Bremsen anno 1972 waren so schlecht, dass das ABS im Kopf des Fahrers sowieso permanent schuften muß. Tempomat? Nach all den Jahren pendelt sich die durchschnittliche Cruisinggeschwindigkeit auf der Autobahn automatisch bei 110 km/h ein. MP3-Anschluss und Navigation? Vergiss es, das asthmatische Opel-Radio kriegt nur WDR 2 rein und der Shell-Atlas wandert wummernd durch den Beifahrerfußraum. Angekommen bin ich übrigens immer. Und Zeit ist bekanntlich relativ.

Mehr braucht kein Mensch: Den linken Arm lässig auf dem Fensterrahmen abgelegt, fahren ich und mein automobiler Freund dreimal um die Erde und bis ans Ende aller Rohstoffreserven. So auch in diesem Sommer. Und deshalb hier noch einmal ein Lob auf den Boliden aus Bochum, den grünen Gewinner, den coolsten aller Kombis. Merci, altes Eisen. Auf viele weitere Sommer!

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