Montag, 25. Juli 2011

Aus der Wirtschaftswelt



Nächsten Dienstag gehen die Lichter aus. zdf.heute titelt bereits "Ist die Welt bald pleite?", dabei geht es doch nur um die Schuldenkrise in den USA: Bis zum 2. August müssen sich dort Präsident und Opposition auf einen Plan geeinigt haben, wie sie den angeblichen Staatsbankrott abwenden wollen.

Staaten gehen natürlich nicht pleite. Im Gegensatz zum Privatmann haben sie schließlich alle Mittel an der Hand, den Offenbarungseid abzuwenden, sei es via Steuerpolitik oder zur Not eben, indem sie die Notenpresse im Keller noch stärker anwerfen. Das hat zwar Folgen - möglicherweise unangenehme -, aber ein Bankrott gehört nicht dazu. Er ist im System nicht vorgesehen und deshalb wird es ihn nie geben.

Nun habe ich von Wirtschaft soviel Ahnung wie Lothar Matthäus von Frauen, aber einige Fragen stellen sich mir doch. Warum sind die USA die unangefochtenen Spitzenreiter bei den Rüstungsausgaben (700 Milliarden Dollar waren es 2010), wenn sie doch angeblich ihre Schulden nicht bezahlen können? Warum verkauft der Chef eines der größten Investmentfonds seine US-Staatspapiere mit der dezidierten Begründung, die Sozialausgaben des Landes seien zu hoch und entwerteten die Anleihen? Zwei Fakten, die sämtliche Widersprüche in diesem Thema auf den Punkt bringen. Darüber sollten wir vielleicht reden - nicht darüber, ob die Welt pleite ist.

Ein paar Millionen Menschen in den Dürregebieten Ostafrikas interessiert das nämlich gerade einen Scheißdreck.

1 Kommentar:

  1. Sehr schön gesagt im letzten Satz! (Da empfehle ich übrigens die Nachrichtensendung auf arte. Die ziehe ich denen von ARD und ZDF sogar noch vor).

    Diesen Widerspruch "Pleite <-> Rüstung" hatte ich schon bei der ersten Berichterstattung zum Thema USA-Pleite im Kopf. Nein, dieser Gedanke entstand nicht erst im Hirn, er lag bereits im Rückenmark vor, schoss mir in die flache Hand und bewegte diese, schnell wie ein amerikanisches Schusswaffenprojektil, gegen meine Stirn.
    Es ist mir unangenehm mich mit dem Gedanken herumzuplagen, wie ein Staat so viele unnötige Militäreinsätze auf der ganzen Welt ficht, gierig seine ölsaugenden Krakenarme ausfährt und im Innern die Kassen nun leer sind.

    Ich bin immer wieder vom Vorreiter Costa Rica begeistert, die ihr Militär einfach mal abgeschafft haben und das Geld nachhaltig in den Naturschutz investier(t)en. Davon gibt es dort übrigens viel. Natur. und Naturschutz. Natur sieht übrigens nicht nur toll aus, die ist sogar sinnvoller als ein Raketenabwehrschirm in Europa und zivilistenbeschießende Drohnen in Pakistan.

    Ach jaaa, zum Glück wird mein Seufzen noch durch das Klagen der Menschen in Ostafrika übertönt - und schade, dass beides nicht gehört wird.

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