Freitag, 7. Januar 2011

Paul in Gefahr


Nur ein Name. Und doch: Er hat in den letzten Jahrzehnten seine musikalischen Spuren hinterlassen.

„Paul ist tot, kein Freispiel drin“ – rätselhafte Zeilen von 1980. Ich gebe zu, dass ich "Monarchie und Alltag" von den Fehlfarben Jahre später entdeckte (1980 war ich 13 und stand auf AC/DC), aber der Soundtrack zum allgemeinen Unwohlsein traf immer noch (m)einen Nerv. Und bis heute ist Peter Hein ein ganz Großer.

Ungefähr zur selben Zeit Anfang der Achtziger trafen sich kurz hinterm Deich die Herren von Trio, nur um auf ihrer Debut-LP lautstark zu fordern „Los Paul, Du musst ihm voll in die Eier hau’n!“. Damals habe ich sie als Kaspertruppe wahrgenommen - kein Wunder, der Neo-Dadaismus (no pun intended) von „Da da da“ wirkte doch arg angestrengt und der Charterfolg machte alles nur noch schlimmer. (Ich hatte die LP als Zweitauflage und auf der war interessanterweise der weltberühmte Smash-Hit noch gar nicht drauf.)

"Paul (Der Bademeister)" von den Ärzten ist natürlich kein ernstzunehmender Beitrag im Paul-Universum, wenn auch die Entwicklung zur Unperson hier fein vorgezeichnet scheint: „Paule schubst Kinder vom Einer / Paule ist ein ganz Gemeiner/ Und findet Paul mal ein Mädchen nett / wirft er sie vom 10 Meter Brett!“ Die Zeiten wurden also noch härter, aus dem defensiven Paul wurde ein echtes Arschloch.

Fast Forward 2003. Anderer Ort, neue Gesichter, gleicher Name: „Paul muss sterben“ von Angelika Express aus Köln. Der Sozialverweigerer bekommt die Quittung, er wird verhöhnt und ob seines Lebenswandels angegriffen. Zitat: „…dabei biste schon kaputt/ auf der Straße nennse dich / das Gesicht und widerlich / und deine Freundin biste selbst.“

Und sogar das Label heißt Paul Records.

So gesehen waren die Fehlfarben 30 Jahre zu früh dran – Paul lebte noch ziemlich lange und machte inzwischen sogar wieder Karriere auf der Hitliste der beliebtesten Vornamen. Ganze Kindergärten heißen heute wieder so, vor allem in Ballungszentren mit hippem Altbau-Wohnbestand.

Nach allem was war, würde ich mir heute allerdings gut überlegen, meinen Sohn Paul zu nennen.

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